Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Den Leitungsquerschnitt berechnen man aus Strom, Leitungslänge und zulässigem Spannungsfall. Die Grundformel lautet A = 2 · I · L / (κ · ΔU) und liefert den Mindestquerschnitt in mm². Danach wählt man den nächsthöheren Normquerschnitt und prüft die Strombelastbarkeit.
Kurzantwort: Mindestquerschnitt in mm² = 2 · Strom in A · einfache Länge in m / (56 · Spannungsfall in V) bei Kupfer. Der Wert wird auf den nächsten Normquerschnitt aufgerundet.
Das Wichtigste in Kürze
- Formel: A = 2 · I · L / (κ · ΔU)
- Kupfer: κ etwa 56 m/(Ω · mm²)
- Zwei Prüfungen: Spannungsfall und Strombelastbarkeit
- Anschluss der Hausinstallation: nur durch Elektrofachkraft
Leitungsquerschnitt berechnen: die Formel im Überblick
Der Querschnitt beschreibt die Fläche des Leiters in Quadratmillimetern. Je größer die Fläche, desto geringer der elektrische Widerstand. Bei Wechselstrom fließt der Strom durch Hin- und Rückleiter, deshalb steht in der Formel der Faktor 2.
Die Formel lautet A = 2 · I · L / (κ · ΔU). A ist der Querschnitt in mm², I der Strom in Ampere und L die einfache Leitungslänge in Metern. κ steht für die Leitfähigkeit des Werkstoffs, ΔU für den zulässigen Spannungsfall in Volt. Bei Drehstrom ersetzt der Faktor 1,73 die 2, dann gilt A = 1,73 · I · L / (κ · ΔU). Den Hintergrund erklärt die Wikipedia-Seite zum Spannungsfall.
Leitfähigkeit: Kupfer und Aluminium im Vergleich
Kupfer ist der Standardwerkstoff in der Hausinstallation. Für Rechnungen bei Raumtemperatur nimmt man κ ≈ 56 m/(Ω · mm²). Aluminium kommt auf etwa 35 m/(Ω · mm²) und braucht deshalb bei gleicher Belastung einen größeren Querschnitt. In Wohngebäuden kommt es meist in den dicken Zuleitungen zum Einsatz.
Schritt für Schritt: Querschnitt berechnen und prüfen
- Strom bestimmen: Leistung durch Spannung teilen. Ein 3.000-Watt-Gerät an 230 Volt zieht etwa 13 Ampere.
- Länge messen: Gemeint ist die einfache Strecke vom Verteiler zum Verbraucher.
- Spannungsfall festlegen: Häufig gilt ein Richtwert von 3 Prozent. Bei 230 Volt sind das 6,9 Volt.
- Formel anwenden: Das Ergebnis ist der Mindestquerschnitt.
- Aufrunden: Normquerschnitte sind 1,5, 2,5, 4, 6, 10 und 16 mm².
- Belastbarkeit prüfen: Die Leitung muss den Strom dauerhaft aushalten, ohne zu heiß zu werden.
Rechenbeispiel: Leitungsquerschnitt für 25 Meter Steckdosenleitung
Ein Gartenhaus liegt 25 Meter vom Verteiler entfernt. Dort soll ein Gerät mit 3.000 Watt laufen. Der Strom beträgt rund 13 Ampere. Erlaubt sind 3 Prozent Spannungsfall, also 6,9 Volt.
Die Rechnung: A = 2 · 13 · 25 / (56 · 6,9) = 650 / 386,4 ≈ 1,68 mm². Der nächsthöhere Normquerschnitt ist 2,5 mm². Die 1,5 mm² aus dem Standardkatalog würden hier also nicht genügen. Bei Erdverlegung kommen zusätzliche Anforderungen an Kabeltyp und Schutz hinzu.
Kurzantwort: Für 13 Ampere über 25 Meter reichen rechnerisch 1,68 mm². Gewählt wird der Normquerschnitt 2,5 mm².
Strombelastbarkeit: Wie viel Ampere verträgt der Leiter?
Neben dem Spannungsfall begrenzt die Erwärmung den Querschnitt. Die Wikipedia-Seite zur elektrischen Stromdichte nennt als grobe Faustregel 1,2 bis 6 A/mm². Für Kupferleiter zitiert sie nach VDE unter anderem 12 A bei 0,75 mm², 15 A bei 1,0 mm² und 26 A bei 2,5 mm². Die genauen Werte hängen von der Verlegeart ab.
| Querschnitt | Typische Absicherung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 1,5 mm² | B10 bis B16 | Beleuchtung, kurze Steckdosenkreise |
| 2,5 mm² | B16 bis B20 | Steckdosenkreise, Geräte |
| 4 mm² | B25 | Herd, lange Leitungen |
| 6 mm² | B32 | Wallbox, Durchlauferhitzer |
| 10 mm² | B50 | Unterverteilung, große Verbraucher |
Die Tabelle zeigt Richtwerte aus der Praxis. Sie ersetzt keine Planung nach Norm. Der Schutzschalter muss immer zum Leiter passen, nicht umgekehrt. Mehr zu den Bauarten steht im Artikel zum Leitungsschutzschalter.
Verlegeart und Häufung: Was den Querschnitt zusätzlich beeinflusst
Eine Leitung im gedämmten Wandaufbau gibt Wärme schlechter ab als eine Leitung frei in der Luft. Auch mehrere gebündelte Leitungen erwärmen sich gegenseitig. Hohe Umgebungstemperaturen im Dachboden verschärfen das. In solchen Fällen sinkt die zulässige Stromstärke, und man wählt den nächstgrößeren Querschnitt.
Typische Verbraucher im Haus: Querschnitt für Herd, Wallbox und Heizung
Große Verbraucher brauchen eigene Stromkreise. Beim Herd ist ein Drehstromanschluss mit 5 Adern üblich. Wallboxen laufen häufig ab 6 mm². Wer elektrisch heizt, sollte die Anschlussleistung vorab klären, mehr dazu im Beitrag zur elektrischen Heizung. Auch ein Blick auf den Stromverbrauch bei 2 Personen hilft, die Last realistisch einzuschätzen.
Fehler beim Berechnen des Leitungsquerschnitts vermeiden
- Den Faktor 2 für Hin- und Rückleiter vergessen.
- Die doppelte Leitungslänge einsetzen und den Faktor 2 zusätzlich anwenden.
- Nur den Spannungsfall prüfen und die Erwärmung ignorieren.
- Die Absicherung größer wählen als der Leiter verträgt.
- Aluminium mit dem Kupferwert rechnen.
Beim Bau hilft ein sauberer Installationsplan. Die gebräuchlichen Zeichen zeigt der Beitrag zu den Elektro-Symbolen im Installationsplan.
Fazit
Wer den Leitungsquerschnitt berechnen will, braucht nur Strom, Länge und zulässigen Spannungsfall. Danach wird auf den nächsten Normquerschnitt aufgerundet und die Strombelastbarkeit geprüft. Die Rechnung liefert eine gute Orientierung für die Planung. Die Ausführung in der festen Installation gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.
FAQ – Häufige Fragen
Wie berechnet man den Leitungsquerschnitt?
Über die Formel A = 2 · I · L / (κ · ΔU) für Wechselstrom mit Hin- und Rückleiter. I ist der Strom, L die einfache Länge, κ die Leitfähigkeit und ΔU der zulässige Spannungsfall.
Welcher Querschnitt gilt für eine Steckdose?
Für Steckdosenstromkreise mit 16 A Absicherung kommt in Wohngebäuden üblicherweise 1,5 mm² oder 2,5 mm² zum Einsatz. Länge und Verlegeart entscheiden im Einzelfall.
Reichen 1,5 mm² für Lichtstromkreise?
Ja, für Beleuchtung sind 1,5 mm² der übliche Standard. Bei sehr langen Leitungen lohnt eine Prüfung des Spannungsfalls.
Welcher Querschnitt passt zum Herd?
Herdanschlüsse mit Drehstrom erhalten meist 5 × 2,5 mm² oder 5 × 4 mm² je nach Absicherung und Länge. Den Anschluss legt eine Elektrofachkraft fest.
Wie groß darf der Spannungsfall sein?
Als Richtwert gelten häufig 3 Prozent zwischen Zähler und Verbraucher. Genaue Vorgaben stehen in den Normen und den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers.
Welche Leitfähigkeit hat Kupfer?
Für Kupfer rechnet man in der Praxis mit etwa 56 m/(Ω · mm²) bei Raumtemperatur. Aluminium erreicht rund 35 m/(Ω · mm²).
Warum wird ein größerer Querschnitt bei langen Leitungen nötig?
Mit der Länge steigt der Widerstand, und damit wächst der Spannungsfall. Ein dickerer Leiter senkt den Widerstand und hält die Spannung am Verbraucher stabil.
Darf man den Querschnitt selbst festlegen?
Rechnen dürfen alle. Installieren und in Betrieb nehmen darf die feste Hausinstallation nur eine eingetragene Elektrofachkraft.
Was bedeutet die Verlegeart für die Strombelastbarkeit?
Eine Leitung im Dämmstoff gibt Wärme schlechter ab als eine Leitung frei in der Luft. Deshalb sinkt die zulässige Stromstärke bei schlechter Wärmeabfuhr.
Wie viel Querschnitt braucht eine Wallbox?
Gängige Wallboxen mit 11 kW laufen über 5 × 6 mm² oder 5 × 10 mm² je nach Länge und Verlegeart. Die Planung übernimmt der Elektrobetrieb.
Quellen
Bella schreibt hier über Haus, Bauen und Wohnen. Sie mag Fragen, auf die man abends noch schnell eine Antwort braucht, und schreibt sie so auf, dass man sie beim ersten Lesen versteht. Quellen stehen unter jedem Beitrag.





