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Dämmung auf Bodenplatte: Aufbau, Dämmstoffe und Dicke

Kurzantwort: Die Dämmung auf der Bodenplatte liegt zwischen der Abdichtung und dem Estrich. Für den Neubau rechnet das Referenzgebäude in Anlage 1 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, bis Juli 2026 GEG) mit U = 0,35 W/(m²·K). Im Bestand verlangt Anlage 7 beim neuen Fußbodenaufbau höchstens 0,50 und beim Ersatz der Bodenplatte 0,30. Mit EPS oder XPS (λ 0,034 bis 0,035 W/(m·K)) brauchst du für 0,35 rund 10 cm, mit PUR (λ 0,024) rund 7 cm. Unter einer Fußbodenheizung fordert DIN EN 1264-4 gegen Erdreich zusätzlich einen Wärmeleitwiderstand von mindestens 1,25 m²·K/W.

Beton leitet Wärme sehr gut. Wikipedia nennt für Beton eine Wärmeleitfähigkeit von 2,1 W/(m·K), für EPS 0,035. Ein Zentimeter Dämmstoff hält also so viel Wärme zurück wie 60 Zentimeter Beton. Ohne Dämmung gibt die Bodenplatte die Raumwärme direkt ans Erdreich ab.

Du hast zwei Möglichkeiten: Die Dämmung liegt unter der Platte im Erdreich oder darauf im Fußbodenaufbau. Dieser Artikel behandelt die zweite Variante. Sie ist im Bestand fast immer die einzige, weil niemand eine fertige Bodenplatte anhebt. Im Neubau ist sie die klassische Lösung mit Frostschürze und Perimeterdämmung außen am Fundament.

Der Schichtaufbau von unten nach oben

Baunetzwissen beschreibt die Reihenfolge so: Zuerst kommt eine Feuchtesperre auf die Bodenplatte, dann eine druckfeste Dämmschicht, dann der Fußbodenaufbau mit Estrich und Belag. Im Einzelnen:

  • Bodenplatte: Stahlbeton, eben und trocken. Rohre auf der Platte werden befestigt und mit einer gebundenen Ausgleichsschicht überdeckt.
  • Abdichtung: Sie schützt die Dämmung vor Bodenfeuchte und vor der Restfeuchte des Betons. Zwischen Bitumen und Polystyrol gehört eine PE-Folie, sonst wandern Weichmacher in den Dämmstoff.
  • Dämmung: Druckfeste Platten, dicht gestoßen, bei mehreren Lagen mit versetzten Stößen.
  • Randdämmstreifen: Er läuft an allen Wänden und Rohren von der Rohdecke bis über den fertigen Boden und muss 5 mm Bewegung zulassen.
  • Abdeckung: Eine PE-Folie von mindestens 0,15 mm Dicke, an den Stößen 80 mm überlappt. Sie hält den Estrichmörtel aus den Plattenfugen fern.
  • Estrich: Ein Zementestrich der Klasse F4 braucht nach DIN 18560-2 mindestens 45 mm, ein F5-Estrich 40 mm.

Auf der Bodenplatte zählt allein die Wärmedämmung. Trittschall spielt keine Rolle, weil unter dir niemand wohnt. Du nimmst deshalb steife Platten vom Typ DEO.

Welche Dämmstoffe auf die Bodenplatte gehören

DIN 4108-10 kennzeichnet Dämmung unter Estrich ohne Schallschutzanforderung mit DEO. Der Zusatz beschreibt die Druckbelastbarkeit: dm steht für 100 kPa, dh für 150 kPa und ds für 200 kPa. Für Wohnräume reicht laut Industrieverband Hartschaum dm, bei hohen Lasten dh, für Industrieböden ds.

Die Tabelle zeigt Werte aus Herstellerdatenblättern. λ ist der Bemessungswert nach DIN 4108-4, die Druckspannung gilt bei 10 Prozent Stauchung.

Dämmstoff Beispielprodukt λ in W/(m·K) Druckspannung Euroklasse Typ
EPS Bachl EPS 035 DEO dh 0,035 150 kPa E DEO dh
XPS Styrodur 3000 CS 0,034 300 kPa E DEO dh
PUR/PIR puren FAL 0,024 (ab 80 mm 0,023) 150 kPa E DEO ds
Holzfaser Steico therm 0,040 50 kPa E DEO dm
Schaumglas Foamglas T4+ 0,042 600 kPa A1 DEO ds

Was das Gesetz verlangt: 0,35, 0,50 und 0,30

Neubau: Anlage 1 beschreibt ein Referenzgebäude. Es rechnet für „Außenwand gegen Erdreich, Bodenplatte, Wände und Decken zu unbeheizten Räumen“ mit U = 0,35 W/(m²·K). Das ist kein Pflichtwert für das einzelne Bauteil. Nach § 15 und § 16 darf dein Haus in der Bilanz nur nicht schlechter sein als dieses Referenzgebäude.

Bestand, neuer Fußbodenaufbau: Anlage 7 Zeile 6c gilt für „Aufbau oder Erneuerung von Fußbodenaufbauten auf der beheizten Seite“. Hier liegt der Höchstwert bei 0,50 W/(m²·K).

Bestand, Ersatz der Platte: Wird die Decke gegen Erdreich ersetzt oder erstmals eingebaut, gilt Zeile 6a mit 0,30 W/(m²·K).

Nach § 36 sind Änderungen ausgenommen, die nicht mehr als 10 Prozent der Fläche der Bauteilgruppe betreffen. Fußnote 1 der Anlage 7 hilft bei geringer Aufbauhöhe: Ist die Dämmdicke technisch begrenzt, reicht die höchstmögliche Dicke mit λ 0,035 W/(m·K).

Dicke berechnen: d = λ / U

Die Faustformel lautet d = λ / U. Für EPS 035 und den Referenzwert 0,35 ergibt das 0,035 / 0,35 = 0,10 m, also 10 cm. Für PUR mit λ 0,024 sind es 0,024 / 0,35 = 0,069 m, also 7 cm.

Die Faustformel lässt Beton und Übergangswiderstände weg und liegt auf der sicheren Seite. Genauer: U = 1 / (Rsi + Σ d/λ + Rse) mit Rsi = 0,17 und Rse = 0,04 m²·K/W bei Wärmestrom nach unten. Eine 20 cm dicke Betonplatte bringt 0,20 / 2,1 = 0,095 hinzu. Für U = 0,35 brauchst du 1 / 0,35 = 2,86 m²·K/W. Abzüglich 0,305 bleiben 2,55 für die Dämmung, mal 0,035 sind das 0,089 m, also 9 cm EPS statt 10.

Die Tabelle zeigt die Faustformel für die drei Gesetzeswerte, aufgerundet auf volle Zentimeter.

Dämmstoff (λ) U = 0,50 U = 0,35 U = 0,30
PUR/PIR (0,024) 5 cm 7 cm 8 cm
XPS (0,034) 7 cm 10 cm 12 cm
EPS (0,035) 7 cm 10 cm 12 cm
Holzfaser (0,040) 8 cm 12 cm 14 cm
Schaumglas (0,042) 9 cm 12 cm 14 cm

Fußbodenheizung auf der Bodenplatte

Unter einer Fußbodenheizung gilt zusätzlich DIN EN 1264-4. Der Bundesverband Flächenheizungen (BVF) zitiert ihre Tabelle in seiner Richtlinie 1: Die Dämmschicht unter der Heizebene braucht einen Wärmeleitwiderstand von 0,75 m²·K/W über einem beheizten Raum und 1,25 über einem unbeheizten Raum oder direkt auf dem Erdreich. Liegt der Grundwasserspiegel weniger als 5 m unter der Platte, soll der Wert höher sein.

Aus R = d / λ folgt d = R × λ. Für 1,25 und EPS 035 sind das 0,044 m, also 5 cm. Das ist weniger als die 9 bis 10 cm aus dem GModG. Beide Anforderungen gelten nebeneinander, die dickere gewinnt.

Dazu kommen zwei Regeln des BVF: Alle Dämmschichten zusammen dürfen sich bei Nutzlasten bis 3 kN/m² höchstens 5 mm zusammendrücken, und die Rohrüberdeckung bei Zementestrich F4 beträgt mindestens 45 mm.

Häufige Fragen

Muss ich die Bodenplatte überhaupt dämmen?

Im Neubau rechnet das Referenzgebäude mit 0,35 W/(m²·K). Im Bestand greift Anlage 7 mit 0,50, sobald du mehr als 10 Prozent der Fläche des Fußbodenaufbaus erneuerst.

Reicht die Dämmung auf der Platte allein?

Nein, am Rand entsteht eine Wärmebrücke. Baunetzwissen empfiehlt, das Mauerwerk außen bis zur Fundamentunterkante mit Perimeterdämmung zu ergänzen oder die unterste Steinreihe als Dämmelement auszuführen.

Welcher Dämmstoff baut am dünnsten?

PUR/PIR mit λ 0,024 W/(m·K). Für 0,35 reichen 7 cm, für 0,50 im Bestand 5 cm. EPS und XPS brauchen für dieselben Werte 10 und 7 cm.

Brauche ich eine Folie auf der Dämmung?

Ja. Der BVF verlangt eine PE-Folie von mindestens 0,15 mm mit 80 mm Überlappung. Sie hält den Estrich aus den Fugen und ersetzt keine Abdichtung.

Welche Druckfestigkeit braucht die Platte?

Für Wohnräume reicht nach Industrieverband Hartschaum der Typ DEO dm mit 100 kPa, bei hohen Lasten dh mit 150 kPa.

Wie hoch wird der ganze Aufbau?

Mit 10 cm EPS und 45 mm Zementestrich kommst du auf rund 15 cm ohne Belag. Bei Fußbodenheizung rechnet der BVF für einen konventionellen Aufbau mit etwa 65 mm Estrich.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


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