Concrete-slab-balcony-no-insulation-materials

Dämmung von innen: Systeme, λ-Werte, Aufbau und Dicken

Kurzantwort: Für eine Dämmung von innen gibt es zwei Familien. Kapillaraktive Platten kommen ohne Dampfbremse aus: Mineralschaum (Multipor, λ = 0,042 W/(m·K)), Kalziumsilikat (Calsitherm, 0,062) und Holzfaser (STEICOinternal, 0,040). Dampfdichte Aufbauten nutzen PIR (BauderPIR DAL, 0,023) oder Mineralwolle (0,035) mit Dampfbremse; auf einer 36,5 cm dicken Ziegelwand mit U ≈ 0,8 W/(m²·K) bringen 8 cm Mineralschaum den Wert auf 0,32 und 8 cm PIR auf 0,21. Einbindende Innenwände und Decken bekommen eine Flankendämmung von mindestens 30 cm Breite.

Innendämmung ist die zweite Wahl, weil sie die Wand kalt lässt und Wärmebrücken an jeder Innenwand erzeugt. Wo die Fassade bleiben muss, ist sie trotzdem der einzige Weg. Wann Innendämmung sinnvoll ist, steht in einem eigenen Text. Hier geht es um die Systeme, ihre Kennwerte und den Aufbau.

Alle λ-Werte in diesem Text sind Bemessungswerte aus den Datenblättern der Hersteller oder aus BauNetz Wissen.

Fünf Systeme im Vergleich

System (Beispielprodukt) λ in W/(m·K) Feuchteprinzip Brandklasse
Mineralschaum (Multipor Mineraldämmplatte) 0,042 kapillaraktiv, diffusionsoffen, µ = 2 A1
Kalziumsilikat (Calsitherm Klimaplatte) 0,062 kapillaraktiv, µ = 3 A1
Holzfaser (STEICOinternal) 0,040 diffusionsoffen und sorptiv, µ = 5 E
PIR mit Alu-Deckschicht (BauderPIR DAL) 0,023 dampfdicht, sd ≥ 1.500 m E
Steinwolle (Rockwool Klemmrock 035) 0,035 µ = 1, braucht Dampfbremse A1

Die Spanne reicht von 0,023 bis 0,062 W/(m·K). Kalziumsilikat braucht für dieselbe Dämmwirkung fast dreimal so viel Dicke wie PIR. Dafür ist es laut Calsitherm mit einer Druckfestigkeit über 1.000 kPa und einem pH-Wert im alkalischen Bereich schimmelhemmend. BauNetz Wissen nennt für Kalziumsilikatplatten allgemein 0,050 bis 0,070 W/(m·K), für Mineraldämmplatten 0,045.

Kapillaraktiv oder dampfdicht

Hinter einer Innendämmung wird die alte Wand kälter, Wasserdampf aus der Raumluft kann dort kondensieren. Die beiden Familien lösen das entgegengesetzt.

Kapillaraktive Systeme lassen den Dampf durch und saugen das Kondensat auf. BauNetz Wissen: „Kapillaraktive Innendämmungen funktionieren ohne innen liegende Dampfbremse bzw. Dampfsperre. Mögliche Feuchtigkeitsprobleme wie Kondensatbildung oder externer Feuchteeintrag werden durch die Kapillarität des eingesetzten Materials reguliert.“

Dampfdichte Systeme sperren den Dampf vor der Dämmung ab. Bei PIR mit Alu-Deckschicht übernimmt die Platte das selbst, Bauder gibt für das Gesamtelement einen sd-Wert von mindestens 1.500 m an. Mineralwolle mit µ = 1 braucht dagegen eine Dampfbremse auf der warmen Seite. Wikipedia nennt als Faustregel, dass der sd-Wert der inneren Beplankung um den Faktor 7 bis 10 höher liegen sollte als der des äußeren Abschlusses.

BauNetz Wissen nennt als Grundbedingung für jede Innendämmung eine gegen Schlagregen geschützte Außenwand.

Aufbau Schicht für Schicht

Kapillaraktive Platte auf Mauerwerk

Der Untergrund muss tragfähig und eben sein. Calsitherm nennt Kalk- oder Kalkzementputz und verlangt, Tapeten, Anstriche und lose Bestandteile zu entfernen. Dann folgt ein mineralischer Leichtmörtel, vollflächig aufgezogen, damit hinter der Platte kein Hohlraum bleibt. Auf die Platte kommen Armierungsmörtel mit Gewebe und ein diffusionsoffener Kalkputz.

Faserdämmung mit Dampfbremse

Auf die Wand kommt eine Unterkonstruktion aus Holz oder Metall, dazwischen der Filz. Raumseitig folgt die Dampfbremse, an allen Stößen und Anschlüssen verklebt. BauNetz Wissen beschreibt das diffusionsoffene System als „Kombination aus feuchtevariabler Dampfbremse und diffusionsoffenen Faserdämmstoffen wie beispielsweise Holzfaser, Mineralwolle oder Zellulose“. Dann Lattung als Installationsebene und Gipskarton.

PIR-Platten mit Nut und Feder

BauderPIR DAL hat eine umlaufende Nut und Feder und Alu auf beiden Seiten. Die Platten werden dicht gestoßen, die Fugen mit Alu-Klebeband geschlossen, damit die dampfdichte Ebene durchgeht. Darauf kommt eine Lattung mit Beplankung.

Wie dick: die U-Rechnung

Der U-Wert nach der Dämmung folgt aus der Summe der Widerstände: 1 / U(neu) = 1 / U(alt) + d / λ. Wikipedia nennt für eine 36,5 cm dicke Ziegelwand einen U-Wert von rund 0,8 W/(m²·K), also einen Widerstand von 1 / 0,8 = 1,25 m²·K/W. 8 cm Multipor bringen 0,08 / 0,042 = 1,90 dazu, zusammen 3,15, also U = 0,32.

Dämmstoff 6 cm 8 cm 10 cm
Multipor, λ 0,042 0,37 0,32 0,28
Calsitherm, λ 0,062 0,45 (5 cm: 0,49) 0,39 0,35
STEICOinternal, λ 0,040 0,36 0,31 0,27
Steinwolle, λ 0,035 0,34 0,28 0,24
BauderPIR DAL, λ 0,023 bis 0,024 0,27 0,21 0,18

Die Werte gelten für die Wand mit 0,8 W/(m²·K). Eine 24 cm dicke Ziegelwand startet laut Wikipedia bei rund 1,5, dort liegen alle Ergebnisse etwas höher. Anlage 7 GModG nennt für eine reine Innendämmung keinen eigenen Wert: Zeile 1b gilt nur für Dämmschichten „auf der Außenseite einer bestehenden Wand“. Die BEG-Förderrichtlinie vom 17. Juli 2026 verlangt für Außenwände 0,20 W/(m²·K) und für die Innendämmung bei Sichtfachwerk 0,65.

Mehr als 10 cm sind bei kapillaraktiven Systemen selten sinnvoll: Die Wand dahinter wird immer kälter, der Gewinn immer kleiner. Von 8 auf 10 cm Multipor sinkt der U-Wert nur noch von 0,32 auf 0,28. Die Verbraucherzentrale nennt für die Innendämmung von Wänden 100 bis 200 Euro je Quadratmeter (Stand Juli 2025) und rät, sie nur von Fachleuten ausführen zu lassen.

Wärmebrücken: Flankendämmung an Innenwänden und Decken

Jede Innenwand und jede Decke, die in die Außenwand einbindet, leitet Wärme an der Dämmung vorbei nach außen. Wikipedia gibt für eine 11,5 cm dicke Ziegel-Innenwand einen U-Wert von 3,0 W/(m²·K) an.

BauNetz Wissen nennt die Grenze: Fällt die Temperatur an der Anschlussstelle unter 12,6 °C, drohen Tauwasser und Schimmel. Die Lösung heißt Flankendämmung: Die Innenwand wird zu beiden Seiten auf einem „mindestens 30 cm breiten Streifen“ mitgedämmt, mit Dicken „zwischen 2 bis 3 cm“. Damit kein Versprung entsteht, gibt es die Flankendämmung auch als Keil. Dasselbe gilt für einbindende Geschossdecken.

Wand, Dachschräge, Kellerdecke: Was sich unterscheidet

An der Wand gilt der beschriebene Aufbau. An der Dachschräge sitzt die Innendämmung zwischen und unter den Sparren; STEICOflex 036 ist dafür als DZ und DI zugelassen, BauderPIR DAL ausdrücklich „zwischen und unter den Sparren“. Für Dachflächen verlangt Anlage 7 GModG 0,24 W/(m²·K), für die Förderung gelten 0,14.

An der Kellerdecke dämmst du von unten, also von der kalten Seite. Multipor nennt „Innendämmung von Decken (z. B. Deckendämmung in Kellern und Tiefgaragen)“ als Anwendung. Anlage 7 Zeile 6b setzt beim Anbringen von Deckenbekleidungen auf der Kaltseite 0,30 W/(m²·K) an, die BEG-Richtlinie für Kellerdecken 0,25. Ohne Bestandsdecke gerechnet sind das 0,042 / 0,30 = 0,14 m Multipor oder 0,023 / 0,30 = 0,077 m, also 8 cm PIR.

Häufige Fragen

Welches Material ist für die Dämmung von innen am besten?

Für Massivwände mit Feuchterisiko kapillaraktive Platten wie Multipor (0,042) oder Kalziumsilikat (0,062). Wo Platz fehlt, PIR mit 0,023.

Brauche ich bei Innendämmung eine Dampfbremse?

Bei Mineralwolle und Holzfaser-Filz ja, auf der warmen Seite. Kapillaraktive Platten kommen laut BauNetz Wissen ohne aus, PIR mit Alu-Deckschicht ist selbst dampfdicht.

Wie dick sollte die Innendämmung sein?

6 bis 10 cm. 8 cm Multipor senken eine 36,5-cm-Ziegelwand von 0,8 auf 0,32 W/(m²·K), 8 cm PIR auf 0,21.

Welchen U-Wert verlangt das Gesetz bei Innendämmung?

Anlage 7 GModG nennt für reine Innendämmung an der Wand keinen Wert. Für die BAFA-Förderung gelten 0,20 W/(m²·K) an Außenwänden, 0,65 bei Sichtfachwerk.

Was ist Flankendämmung?

Ein 30 cm breiter Dämmstreifen von 2 bis 3 cm Dicke auf beiden Seiten einer einbindenden Innenwand oder Decke. Er hält die Ecke über 12,6 °C.

Was kostet die Dämmung von innen?

Die Verbraucherzentrale nennt 100 bis 200 Euro je Quadratmeter Wand (Stand Juli 2025), für die Kellerdecke 60 bis 100 Euro mit Arbeitskosten.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


Nach oben scrollen