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Kurzantwort: Dämmung im Erdreich heißt im Bauwesen Perimeterdämmung: Sie sitzt außen an der Kellerwand und unter der Bodenplatte, außerhalb der Abdichtung, und muss Erddruck, Feuchte und Frost aushalten. Geeignet sind extrudierter Polystyrol-Hartschaum (XPS) und Schaumglas; unter der Bodenplatte und bei drückendem Wasser nur Produkte mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung des DIBt. Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt bei erdberührten Wänden und Böden, die erneuert oder erstmals gedämmt werden, einen U-Wert von höchstens 0,30 W/(m²·K).
Wer „Dämmung im Erdreich“ sucht, meint meistens eine von drei Situationen: einen Neubau mit Keller, einen alten Keller, der nachträglich freigelegt wird, oder eine Bodenplatte ohne Keller. In allen drei Fällen liegt die Dämmung dauerhaft im feuchten Boden und trägt Lasten. Deshalb gelten hier andere Regeln als an der Fassade oder im Dach.
Dieser Artikel erklärt, welche Dämmstoffe dafür zugelassen sind, wie die Wasserbelastung eingestuft wird, was das Gesetz verlangt und in welcher Reihenfolge der Einbau abläuft. Die Werte stammen aus dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), aus der DIN 18533, aus Herstellerdatenblättern und aus der Fachliteratur, Stand 11. September 2026.
Was „im Erdreich“ baurechtlich bedeutet
Die DIN 4108-10 ordnet Dämmstoffe nach Anwendungsgebiet. Für den Boden gibt es zwei Kürzel: PW steht für die außenliegende Dämmung von Wänden gegen Erdreich, PB für die Dämmung unter Bodenplatten gegen Erdreich. Beide gelten ausdrücklich für die Lage außerhalb der Abdichtung. Ein Dämmstoff, der nur für die Fassade unter Putz (WAP) zugelassen ist, darf also nicht in die Baugrube.
Die Perimeterdämmung dämmt, sie dichtet nicht ab. Die Abdichtung nach DIN 18533 liegt zwischen Wand und Dämmung und bleibt Pflicht. Die Dämmplatten schützen die Abdichtung zusätzlich beim Verfüllen vor Steinen und Verfüllgerät.
Welche Belastung der Boden bringt
Ein Dämmstoff im Erdreich ist fünf Einflüssen ausgesetzt: Erddruck, der durch Verkehrslasten steigen kann; Erdfeuchte; Sickerwasser, Stauwasser oder drückendes Grundwasser; Diffusion; Frost-Tau-Wechsel. Wie stark das Wasser wirkt, legt der Planer nach DIN 18533 fest, in der Regel auf Basis eines Bodengutachtens mit Bemessungswasserstand und Versickerungsfähigkeit des Bodens.
- W1-E: Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser, Anstauhöhe bis 100 mm; W1.2-E mit Dränung
- W2-E: drückendes Wasser; W2.1-E bis 3 m Wassersäule, W2.2-E darüber, etwa bei Grundwasser oder Hochwasser
- W4-E: Spritzwasser und Bodenfeuchte am Wandsockel
Die Einstufung entscheidet über den Dämmstoff. Bei drückendem Wasser dürfen nur Produkte mit Zulassung für diesen Lastfall eingebaut werden, und sie müssen vollflächig mit einem geeigneten Kleber verklebt sein, damit kein Wasser hinter die Platten läuft.
XPS, Schaumglas, EPS: die Dämmstoffe im Vergleich
XPS ist der Standard. Ein typisches Perimeterprodukt hat einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,033 bis 0,036 W/(m·K) und eine Druckfestigkeit von mindestens 300 kPa bei 10 Prozent Stauchung, das entspricht 30 Tonnen je Quadratmeter. Die geschlossenen Zellen nehmen kaum Wasser auf. Ein Hersteller liefert Dicken von 30 bis 160 mm, meist mit Stufenfalz gegen Wärmebrücken an den Stößen.
Schaumglas besteht zu 66 bis 98 Prozent aus Altglas, ist wasserdicht, dampfdicht, druckfest und nicht brennbar (Klasse A1). Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,036 bis 0,060 W/(m·K). Platten müssen mit Bitumen oder einem anderen Überzug geschützt werden, weil die offenen Poren an der Oberfläche bei Frost aufreißen können. Als Schaumglasschotter ist das Material frostsicher und wird als lose Schüttung unter Bodenplatten verwendet.
EPS-Perimeterplatten sind billiger, aber weniger druckfest und feuchteempfindlicher. Sie haben keine Zulassung für den Bereich unter der Bodenplatte. Unter der Bodenplatte dürfen nur Materialien mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik liegen, das sind XPS und Schaumglas.
Was das GModG verlangt
Anlage 7 zu § 36 GModG nennt für Wände gegen Erdreich und für Decken, die beheizte Räume nach unten zum Erdreich abgrenzen, einen Höchstwert von 0,30 W/(m²·K). Er gilt nach Nummer 6a bei Ersatz oder erstmaligem Einbau des Bauteils und nach Nummer 6b auch dann, wenn du außen Feuchtigkeitssperren oder Dränagen anbringst oder erneuerst. Wer den Keller zum Abdichten freilegt, muss also dämmen. Für Nichtwohngebäude mit 12 bis 19 °C Raumtemperatur gibt es keine Anforderung.
Überschlägig braucht 0,30 W/(m²·K) etwa 12 cm eines Dämmstoffs mit 0,035 W/(m·K), wenn die Wand selbst nicht angerechnet wird. Ist die Dicke aus technischen Gründen begrenzt, etwa durch den Abstand zur Grundstücksgrenze, gilt die höchstmögliche Dicke mit einem 035er-Dämmstoff als ausreichend. Änderungen an höchstens 10 Prozent der Bauteilfläche sind von § 36 ausgenommen.
Einbau: Reihenfolge und Fehlerquellen
- Wand reinigen, Hohlkehle am Fundament anlegen, Abdichtung nach der festgelegten Wassereinwirkungsklasse aufbringen und durchtrocknen lassen.
- Platten mit Stufenfalz von unten nach oben verlegen und verkleben; bei drückendem Wasser vollflächig, sonst punkt- oder streifenweise nach Herstellerangabe. Keine Dübel durch die Abdichtung.
- Stöße dicht stoßen, Kreuzfugen vermeiden, Ecken im Verband.
- Bei Dränung ein Filtervlies oder eine Dränplatte vor die Dämmung setzen, damit Feinanteile die Dränage nicht zusetzen.
- Lagenweise verfüllen und verdichten, ohne die Platten zu verschieben.
Der häufigste Fehler beim nachträglichen Dämmen: Die Wand ist noch feucht, wenn die Platten kommen. Eine Zeitschrift nennt für den Bereich Keller und unterer Sockel 40 bis 80 Euro je Quadratmeter für XPS-Platten, die Erdarbeiten kommen dazu. Beim Neubau ist die Perimeterdämmung deshalb von Anfang an eingeplant.
Häufige Fragen
Ist Perimeterdämmung dasselbe wie Dämmung im Erdreich?
Ja. Perimeterdämmung ist der Fachbegriff für die Wärmedämmung erdberührter Bauteile an ihrer Außenseite.
Darf ich Styropor im Erdreich verwenden?
Nur spezielle EPS-Perimeterplatten mit Zulassung an der Wand bei Bodenfeuchte. Unter der Bodenplatte und bei drückendem Wasser sind XPS oder Schaumglas mit DIBt-Zulassung vorgeschrieben.
Ersetzt die Dämmung die Abdichtung?
Nein. Die Abdichtung nach DIN 18533 liegt zwischen Wand und Dämmung und bleibt Pflicht.
Wie dick muss die Dämmung sein?
Für 0,30 W/(m²·K) überschlägig 12 cm bei 0,035 W/(m·K), ohne Anrechnung der Wand. Bei begrenztem Platz reicht die höchstmögliche Dicke mit einem 035er-Dämmstoff.
Muss ich beim Abdichten des Kellers dämmen?
Ja, Anlage 7 Nummer 6b GModG erfasst das Anbringen oder Erneuern von Feuchtigkeitssperren und Dränagen, außer die Änderung betrifft höchstens 10 Prozent der Bauteilfläche.
Was kostet Perimeterdämmung?
Für XPS-Platten an Keller und Sockel werden 40 bis 80 Euro je Quadratmeter genannt, zuzüglich Erdarbeiten.
Quellen
- Wikipedia: Perimeterdämmung
- Anlage 7 GModG: Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten
- Wikipedia: Bauwerksabdichtung (DIN 18533)
- Das Haus: Perimeterdämmung, Wärmeschutz für Bodenplatte und Keller
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Dämmung im Sockelbereich: Abdichtung, XPS-Platten und GModG-Werte
- Dämmung Trockenbauwand 100 mm: Dicke, Schallschutz und Werte
- Dämmung nach GEG: Tabelle der U-Werte für Bestand und Neubau
Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.







