DAMAGED FOAM INSULATION ON LIQUID NITROGEN LN2 PIPING ON ROOF - NARA - 17446077

Dämmung für Heizungsrohre: Pflichtdicken nach GModG Anlage 8

Kurzantwort: Zugängliche Heizungs- und Warmwasserrohre in unbeheizten Räumen müssen gedämmt sein (§ 69 Absatz 2 Gebäudemodernisierungsgesetz). Die Dicke richtet sich nach dem Innendurchmesser: bis 22 Millimeter 20 Millimeter Dämmung, bis 35 Millimeter 30 Millimeter, bis 100 Millimeter so dick wie der Innendurchmesser, darüber 100 Millimeter. Die Werte gelten für einen Dämmstoff mit 0,035 W/(mK) bei 40 Grad. In Durchbrüchen und Kreuzungen reicht die Hälfte, an Außenluft braucht es das Doppelte.

Ein Heizungsrohr ohne Dämmung ist ein Heizkörper im Keller. Es gibt Wärme ab, wo sie niemand braucht. Die Rohrdämmung ist deshalb eine der wenigen Maßnahmen, die das Gesetz auch im Bestand ohne Umbau verlangt.

Die Regeln stehen seit Juli 2026 im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), dem umbenannten Gebäudeenergiegesetz. Inhaltlich hat sich an der Rohrdämmung nichts geändert: § 69 nennt die Pflicht, Anlage 8 die Dicken. Beides findest du hier mit Rechenbeispielen für gängige Rohrmaße.

Wann die Dämmung Pflicht ist

§ 69 unterscheidet zwei Fälle. Absatz 1: Wer Wärmeverteilungs- oder Warmwasserleitungen neu einbaut oder ersetzt, muss ihre Wärmeabgabe nach Anlage 8 begrenzen. Absatz 2: Der Eigentümer muss bisher ungedämmte, zugängliche Leitungen dämmen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden. Das betrifft den typischen Heizungskeller, den Hausanschlussraum und unbeheizte Garagen.

Wie bei der obersten Geschossdecke gibt es die Altfall-Regel: Wer eine Wohnung in einem Haus mit höchstens zwei Wohnungen bereits am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, muss nicht nachrüsten. Die Pflicht trifft erst den nächsten Eigentümer, der zwei Jahre Zeit ab dem Eigentumsübergang hat (§ 69 Absatz 3 und 4).

Die Dämmdicken aus Anlage 8

Anlage 8 Nummer 1 legt die Mindestdicke der Dämmschicht fest, bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(mK) bei 40 Grad Celsius Mitteltemperatur:

Innendurchmesser der Leitung Mindestdicke der Dämmung
bis 22 mm 20 mm
über 22 bis 35 mm 30 mm
über 35 bis 100 mm gleich dem Innendurchmesser
über 100 mm 100 mm

Achte auf das Wort Innendurchmesser. Ein Kupferrohr 22 × 1 hat außen 22 Millimeter und innen 20 Millimeter, es fällt also in die erste Zeile. Ein 28er Kupferrohr liegt innen bei rund 26 Millimetern und braucht 30 Millimeter Dämmung. Ein 42er Rohr mit rund 39 Millimetern innen braucht rund 39 Millimeter, in der Praxis die nächste Handelsdicke von 40 Millimetern.

Wo die Hälfte reicht und wo das Doppelte nötig ist

  • Die Hälfte: in Wand- und Deckendurchbrüchen, im Kreuzungsbereich von Leitungen, an Verbindungsstellen und an zentralen Netzverteilern. Ebenfalls die Hälfte für Leitungen, die nach dem 31. Januar 2002 in Bauteilen zwischen beheizten Räumen verschiedener Nutzer liegen.
  • 6 Millimeter: für solche Leitungen im Fußbodenaufbau.
  • Das Doppelte: für Leitungen, die an Außenluft grenzen, etwa der Weg zur Außeneinheit einer Wärmepumpe.
  • Keine Anforderung: für Leitungen in beheizten Räumen, deren Wärmeabgabe über frei liegende Absperreinrichtungen beeinflusst werden kann, und für Stichleitungen bis 3 Liter Inhalt ohne Zirkulation in beheizten Räumen.

Anderer Dämmstoff, andere Dicke

Die Tabelle setzt 0,035 W/(mK) voraus. Anlage 8 Nummer 3 verlangt bei anderen Wärmeleitfähigkeiten eine Umrechnung nach den anerkannten Regeln der Technik. Weil ein Rohr rund ist, wächst die Dicke bei schlechterem Dämmstoff überproportional. Verlass dich deshalb auf die Herstellertabellen, die für jedes Produkt die GEG-konforme Dicke ausweisen.

Ein Beispiel für passenden Dämmstoff ist die Steinwolle-Rohrschale Rockwool 800. Laut Produktseite liegt ihre Wärmeleitfähigkeit bei 40 Grad genau bei 0,035 W/(mK), sie ist nichtbrennbar (A2L-s1,d0) und in Dicken von 20 bis 100 Millimetern für Rohre von 15 bis 273 Millimetern lieferbar. Der Hersteller kennzeichnet die Kombinationen als 100-Prozent- und 200-Prozent-Dämmung nach GEG. Für Hausanschluss- und Heizungsräume ist nichtbrennbares Material ohnehin die sichere Wahl.

Auf der Baustelle: Wo es typischerweise hakt

  • Armaturen und Pumpen: Das Gesetz nennt Leitungen und Armaturen. Absperrventile, Schmutzfänger und Pumpengehäuse brauchen Dämmkappen, die sich zum Warten abnehmen lassen.
  • Bögen und T-Stücke: Rohrschalen werden auf Gehrung geschnitten und die Stöße verklebt. Ein offener Bogen ist ein Loch in der Dämmung.
  • Alte Teilrohrschalen: Häufig sind Rohre mit 9 oder 13 Millimetern Schaumstoff gedämmt. Das erfüllt die Tabelle nur in den Hälfte-Fällen. Nachrüsten heißt dann entweder eine zweite Lage oder ein Wechsel auf die Tabellendicke.
  • Warmwasser und Zirkulation: Die Pflicht gilt für Warmwasserleitungen genauso wie für Heizungsrohre, inklusive der Zirkulationsleitung.

Kaltwasser und Kälteleitungen

Für Kaltwasser- und Kälteleitungen von Klima- und Lüftungsanlagen gilt Anlage 8 Nummer 2: 9 Millimeter bei bis zu 22 Millimetern Innendurchmesser, 19 Millimeter darüber, bezogen auf 0,035 W/(mK) bei 10 Grad. Hier geht es um Kondenswasser und Energie zugleich. Trinkwasser-Kaltleitungen im warmen Heizungskeller profitieren ebenfalls von einer Dämmung, weil sie sonst aufwärmen.

Häufige Fragen

Wie dick muss die Dämmung an einem 22er Kupferrohr sein?

20 Millimeter, weil der Innendurchmesser bei rund 20 Millimetern liegt und damit in die Zeile bis 22 Millimeter fällt.

Muss ich Rohre im beheizten Wohnzimmer dämmen?

Nein, wenn ihre Wärmeabgabe über frei liegende Absperrventile beeinflusst werden kann. Die Nachrüstpflicht betrifft nur unbeheizte Räume.

Gilt die Nachrüstpflicht für jeden Eigentümer?

Ausgenommen ist, wer eine Wohnung in einem Haus mit höchstens zwei Wohnungen schon am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat. Der nächste Eigentümer hat zwei Jahre Zeit.

Reicht ein 13-Millimeter-Schaumschlauch?

Nur in Durchbrüchen und Kreuzungen, wo die Hälfte der Tabellendicke genügt. Auf der freien Strecke sind mindestens 20 Millimeter bei 0,035 W/(mK) nötig.

Was gilt für Leitungen im Freien?

Das Doppelte der Tabellenwerte: 40 Millimeter statt 20 bei kleinen Rohren.

Wird die Rohrdämmung gefördert?

Die BEG-Einzelmaßnahmen fördern Heizungsoptimierung an Bestandsgebäuden, dazu zählt die Dämmung von Rohrleitungen im Rahmen der technischen Mindestanforderungen. Die Details stehen in der Richtlinie vom 17. Juli 2026.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


Nach oben scrollen