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Kurz gesagt: Die Zahlen am Heizungsthermostat stehen für Raumtemperaturen, nicht für Heizstufen. Stufe 3 entspricht etwa 20 Grad, jede Stufe rund 3 bis 4 Grad. Voll aufdrehen macht den Raum nicht schneller warm – es überheizt ihn nur.
Das ist der teuerste Irrtum in deutschen Wohnzimmern.
Was die Zahlen bedeuten
Sternchen: Frostschutz, etwa 6 Grad
1: etwa 12 Grad
2: etwa 16 Grad
3: etwa 20 Grad
4: etwa 24 Grad
5: etwa 28 Grad
Die Striche dazwischen stehen für jeweils rund ein Grad.
Warum Aufdrehen nichts beschleunigt
Ein Thermostat ist ein Regler, kein Gaspedal. Im Kopf sitzt ein Dehnstoffelement, das sich bei Wärme ausdehnt und das Ventil schließt.
Bis die eingestellte Temperatur erreicht ist, strömt ohnehin die volle Wassermenge durch den Heizkörper – bei Stufe 3 genauso wie bei Stufe 5. Der Unterschied ist nur, wann abgeschaltet wird.
Wer auf 5 dreht und vergisst zurückzustellen, heizt den Raum auf 28 Grad. Jedes Grad mehr kostet etwa sechs Prozent Heizenergie.
Wo der Thermostat nicht sitzen darf
Er misst die Luft in seiner unmittelbaren Umgebung. Verdeckt ihn ein Vorhang, ein Möbelstück oder eine Verkleidung, misst er die gestaute Wärme und schließt zu früh – der Raum bleibt kalt.
Umgekehrt gilt: Zugluft am Fenster täuscht Kälte vor, der Heizkörper läuft dauerhaft.
Wann ein Austausch lohnt
Thermostatköpfe halten etwa 15 Jahre. Danach reagiert das Dehnstoffelement träge oder gar nicht mehr.
Anzeichen: Der Heizkörper wird trotz geschlossenem Ventil warm, der Kopf lässt sich schwer drehen, oder die Temperatur schwankt stark.
Der Wechsel ist ohne Fachbetrieb machbar: Überwurfmutter lösen, alten Kopf abziehen, neuen aufsetzen. Das Wasser muss dabei nicht abgelassen werden.
Programmierbare Thermostate
Sie senken die Temperatur nachts und bei Abwesenheit automatisch ab. Die Einsparung liegt je nach Nutzung im Bereich einiger Prozent der Heizkosten – am größten in Räumen, die nur zeitweise genutzt werden.
Wichtig: Absenken heißt nicht abschalten. Ein völlig ausgekühlter Raum braucht mehr Energie zum Aufheizen, als die Absenkung gespart hat.
Welche Temperatur in welchem Raum
Das Umweltbundesamt nennt für Wohn- und Arbeitsräume 20 Grad als Richtwert, für die Küche 18 Grad und für das Schlafzimmer 17 bis 18 Grad. Im Bad darf es wärmer sein, dort werden 22 Grad als angenehm empfunden. Diese Werte sind Empfehlungen, keine Vorschriften.
Räume, die kaum genutzt werden, sollten trotzdem nicht auskühlen. Unter 16 Grad steigt die relative Luftfeuchte an kalten Außenwänden so stark, dass sich Schimmel bilden kann. Die Frostschutzstellung ist deshalb nur für leerstehende Räume gedacht.
Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen bleiben besser geschlossen. Sonst wandert feuchte Warmluft aus Küche und Bad in das kühle Schlafzimmer und kondensiert dort. Das ist der häufigste Grund für Stockflecken hinter Möbeln.
Wenn das Ventil klemmt
Bleibt ein Heizkörper trotz aufgedrehtem Thermostat kalt, sitzt oft der Ventilstift fest. Er verharzt, wenn er über den Sommer nicht bewegt wurde. Erkennbar ist das daran, dass sich am Kopf nichts tut, obwohl er sich drehen lässt.
Der Stift steckt unter dem Thermostatkopf und wird sichtbar, sobald man die Überwurfmutter löst und den Kopf abzieht. Lässt er sich mit einer Zange vorsichtig ein paar Millimeter hin und her bewegen, ist das Problem meist erledigt. Gewalt zerstört das Ventil.
Vorbeugen lässt sich das, indem man die Thermostate im Sommer einmal im Monat ganz auf und wieder zu dreht. Viele elektronische Modelle machen das automatisch. Diese Funktion heißt Ventilschutz oder Entkalkungsfahrt.
Der hydraulische Abgleich
In vielen Anlagen bekommen die Heizkörper nahe am Kessel zu viel Wasser und die entfernten zu wenig. Die Folge sind Räume, die nicht warm werden, während andere überheizen und die Pumpe unnötig hoch läuft. Der hydraulische Abgleich verteilt die Wassermengen passend zum Wärmebedarf jedes Raums.
Dafür berechnet ein Fachbetrieb die nötige Durchflussmenge und stellt sie an voreinstellbaren Ventilen ein. Der Aufwand liegt bei einem Einfamilienhaus meist im niedrigen vierstelligen Bereich, bei Bestandsanlagen häufig darunter. Die Einsparung wird auf mehrere Prozent des Heizenergieverbrauchs beziffert.
Bei Gasheizungen in größeren Gebäuden ist der Abgleich seit der Energieeinsparverordnung des Bundes in bestimmten Fällen vorgeschrieben. Für Eigentümer kleinerer Häuser bleibt er freiwillig. Wer eine Wärmepumpe einbaut, kommt praktisch nicht daran vorbei.
Lüften ohne Wärmeverlust
Ein gekipptes Fenster kühlt die Wand rund um die Laibung aus, tauscht aber kaum Luft. Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern erreicht denselben Luftwechsel in fünf bis zehn Minuten, ohne dass die Bausubstanz auskühlt. Querlüften über gegenüberliegende Fenster verkürzt die Zeit weiter.
Während des Lüftens werden die Thermostate zugedreht, sonst regeln sie gegen die einströmende Kaltluft an. Danach dürfen sie wieder auf den gewohnten Wert. Zwei bis vier Lüftungen am Tag reichen in einer normal genutzten Wohnung.
Nach dem Duschen oder Kochen sollte sofort gelüftet werden, weil die Feuchtigkeit sonst in Wände und Textilien zieht. Ein Hygrometer für wenige Euro zeigt, ob die Luftfeuchte im Bereich von 40 bis 60 Prozent liegt. Über 65 Prozent wird es kritisch.
Thermostat in der Mietwohnung
Der Thermostatkopf gehört zur Mietsache, der Austausch gegen ein baugleiches Modell ist aber unproblematisch, weil er ohne Eingriff in die Anlage erfolgt. Wer ein elektronisches Modell montiert, sollte den alten Kopf aufbewahren und beim Auszug wieder anschrauben. Damit bleibt der ursprüngliche Zustand herstellbar.
Ist ein Thermostat defekt, ist die Reparatur Sache des Vermieters. Das gilt auch dann, wenn der Heizkörper nicht mehr richtig regelt und der Verbrauch dadurch steigt. Der Mangel sollte schriftlich angezeigt werden.
Anders liegt der Fall bei Heizkostenverteilern an den Heizkörpern. Sie dürfen nicht abgenommen oder verändert werden, weil sie der Abrechnung dienen. Manipulationen können teuer werden.
Fußbodenheizung und Einrohrsysteme
Bei einer Fußbodenheizung sitzt kein Thermostatkopf am Heizkörper, sondern ein Raumthermostat an der Wand, das über den Verteiler die Stellantriebe schaltet. Die Trägheit des Systems liegt bei mehreren Stunden, weshalb starkes Absenken und Wiederaufheizen wenig bringt. Eine gleichmäßige Einstellung ist hier fast immer die sparsamere.
Einrohrheizungen, die vor allem in Bauten der Sechziger- und Siebzigerjahre stecken, führen das Wasser nacheinander durch alle Heizkörper eines Strangs. Ein zugedrehter Heizkörper spart dort deutlich weniger als in einer Zweirohranlage. Spezielle Thermostatköpfe für Einrohrsysteme verbessern die Regelung.
Wer nicht weiß, welches System verbaut ist, erkennt es an den Anschlüssen: Zwei getrennt geführte Rohre am Heizkörper sprechen für ein Zweirohrsystem. Ein durchgehendes Rohr, von dem der Heizkörper nur abzweigt, weist auf eine Einrohrheizung hin. Im Zweifel gibt die Hausverwaltung Auskunft.
Häufige Fragen
Welche Stufe entspricht 21 Grad?
Etwa Stufe 3 plus ein Strich.
Soll man nachts ganz abdrehen?
Nein. Eine Absenkung um 3 bis 5 Grad ist sinnvoll, komplettes Abschalten nicht.
Warum wird der Heizkörper oben nicht warm?
Dann ist Luft im System – entlüften hilft.
Kann man Thermostate selbst wechseln?
Ja, den Kopf schon. Das Ventil im Heizkörper gehört in Fachhände.
Welche Temperatur ist im Schlafzimmer sinnvoll?
17 bis 18 Grad, aber nicht dauerhaft unter 16.
Was tun, wenn der Heizkörper kalt bleibt?
Erst entlüften, dann den Ventilstift prüfen.
Bringt Kipplüften etwas?
Kaum Luftwechsel, dafür ausgekühlte Wände.
Quellen
Das passt dazu
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