Nachtspeicherheizung – Funktion, Kosten und Alternativen

Kurz gesagt: Eine Nachtspeicherheizung wandelt nachts günstigen Strom in Wärme um und speichert sie in Schamotte- oder Magnesitsteinen, die tagsüber abgeben. Technisch funktioniert das zuverlässig — wirtschaftlich ist es heute meist ungünstig, weil Strom je Kilowattstunde deutlich teurer ist als Gas oder Wärme aus einer Wärmepumpe.

Wie sie funktioniert

Im Inneren des Geräts liegen Heizwendel zwischen schweren Speichersteinen. Während der Ladezeit — meist nachts — erhitzen sie die Steine auf mehrere hundert Grad.

Tagsüber gibt der Ofen die Wärme ab: teils passiv über die Oberfläche, teils aktiv über ein Gebläse, das Luft durch den Steinkern führt.

Die Ladung wird über eine Aufladesteuerung geregelt, die die Außentemperatur berücksichtigt. Ist sie falsch eingestellt, lädt der Ofen zu viel oder zu wenig — eine häufige Ursache für hohe Kosten oder kalte Nachmittage.

Warum es sie überhaupt gibt

In den 1960er- und 1970er-Jahren gab es nachts Stromüberschüsse aus Kraftwerken, die sich nicht schnell regeln ließen. Nachtspeicherheizungen waren ein Weg, diese Energie zu nutzen, und wurden aktiv beworben.

Diese Grundlage ist entfallen. Der Strommarkt sieht heute anders aus, und die früher deutlichen Nachttarife sind vielerorts geschrumpft.

Die Kosten

Der entscheidende Punkt ist der Preis je Kilowattstunde. Strom kostet ein Vielfaches von Gas. Da eine Widerstandsheizung aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme macht, schlägt dieser Unterschied ungebremst durch.

Zum Vergleich: Eine Wärmepumpe erzeugt aus derselben Kilowattstunde drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Genau darin liegt der Unterschied — nicht in der Technik der Speicherheizung selbst.

Ein spezieller Heizstromtarif senkt die Kosten, gleicht diesen Faktor aber nicht aus.

Wo sie noch sinnvoll sein kann

  • In selten genutzten Räumen und Ferienwohnungen
  • In Gebäuden ohne Gasanschluss und ohne Platz für andere Technik
  • Als Ergänzung, wenn eine Photovoltaikanlage Überschussstrom liefert
  • In sehr gut gedämmten Gebäuden mit geringem Wärmebedarf
  • Wenn ein Austausch baulich unverhältnismäßig wäre

Die Alternativen

Wärmepumpe. Die naheliegende Lösung, wenn Platz für Außeneinheit und Verteilung vorhanden ist. Voraussetzung sind Flächenheizung oder ausreichend große Heizkörper.

Infrarotheizung. Ebenfalls Strom, ebenfalls Faktor eins — sie ist keine wirtschaftliche Verbesserung, sondern nur eine andere Bauform.

Gas- oder Pelletheizung, wenn ein Anschluss oder Lagerraum vorhanden ist. Bei Gas sind die politischen Rahmenbedingungen zu beachten.

Fernwärme, wo verfügbar.

Vor jeder Entscheidung sollte die Dämmung geprüft werden. In einem schlecht gedämmten Haus ist jede Heizung teuer.

Der Asbest-Punkt

Geräte, die vor etwa 1984 gebaut wurden, können Asbest enthalten — als Isoliermaterial im Inneren. Solange sie unbeschädigt sind, besteht keine Gefahr.

Beim Ausbau ist das anders: Alte Nachtspeicheröfen dürfen nicht selbst demontiert werden. Der Rückbau gehört in die Hände eines zugelassenen Fachbetriebs mit entsprechender Qualifikation.

Ein Hinweis auf Asbestfreiheit findet sich bei manchen Geräten auf einer Plakette. Fehlt sie, ist vom Vorhandensein auszugehen.

Was man sofort verbessern kann

Wenn ein Austausch nicht ansteht, senkt die richtige Bedienung die Kosten spürbar.

Die Aufladesteuerung sollte an die tatsächliche Nutzung angepasst sein — überladene Öfen geben abends Wärme ab, wenn niemand sie braucht.

Das Gebläse nur nutzen, wenn Wärme gebraucht wird; es verbraucht selbst Strom und leert den Speicher schneller.

Und: Fenster und Türen abdichten, Rollläden nachts schließen, Heizkörpernischen dämmen. Bei Stromheizung wirkt jede eingesparte Kilowattstunde besonders stark.

Die rechtliche Lage

Es gab in Deutschland zeitweise eine Regelung, nach der ältere Nachtspeicherheizungen bis 2019 außer Betrieb genommen werden sollten. Diese Vorgabe wurde 2013 wieder gestrichen.

Heute gibt es kein generelles Verbot. Maßgeblich sind das Gebäudeenergiegesetz und die kommunale Wärmeplanung, die je nach Standort Vorgaben für neue Heizungen macht.

Für Mieter ist wichtig: Die Kosten trägt der Mieter direkt über seinen Stromvertrag, nicht über die Nebenkostenabrechnung. Das macht den Vergleich beim Wohnungswechsel schwer — eine scheinbar günstige Miete kann durch hohe Heizkosten aufgezehrt werden.

Vor der Anmietung prüfen

  • Wie alt sind die Geräte, und gibt es eine Asbest-Plakette?
  • Welcher Stromtarif ist möglich, und gibt es einen zweiten Zähler?
  • Wie hoch waren die Stromkosten der Vormieter?
  • Wie ist das Gebäude gedämmt?
  • Gibt es eine Aufladesteuerung, und ist sie zugänglich?

Diese Fragen kosten fünf Minuten und ersparen im Zweifel eine unangenehme Jahresabrechnung.

Photovoltaik als Ergänzung

Wer eine eigene Solaranlage hat, kann den Blick auf Speicherheizungen ändern. Überschussstrom, der sonst für wenige Cent eingespeist würde, lässt sich in Wärme umwandeln und speichern.

Voraussetzung ist eine Steuerung, die den Ofen bei Überschuss lädt statt nach Uhrzeit. Solche Nachrüstungen gibt es; sie lohnen aber nur, wenn die Anlage groß genug ist und im Winter überhaupt nennenswert produziert.

Im Dezember und Januar — genau dann, wenn geheizt wird — liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland am wenigsten. Das begrenzt die Idee erheblich.

Der Vergleich in Zahlen

Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr sieht die Rechnung grob so aus: Eine Widerstandsheizung braucht 15.000 Kilowattstunden Strom. Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 braucht rund 4.300.

Selbst bei einem günstigen Heizstromtarif bleibt der Unterschied im vierstelligen Bereich je Jahr. Über zwanzig Jahre gerechnet übersteigt er die Investitionskosten einer neuen Anlage deutlich.

Diese Rechnung ist der eigentliche Grund, warum Fachleute zum Austausch raten — nicht die Technik selbst, die zuverlässig arbeitet.

Häufige Fragen

Wie funktioniert eine Nachtspeicherheizung?

Sie lädt nachts Wärme in Speichersteine.

Warum ist sie teuer?

Strom kostet je Kilowattstunde ein Vielfaches von Gas.

Sind sie verboten?

Nein, ein früheres Verbot wurde zurückgenommen.

Enthalten sie Asbest?

Geräte vor etwa 1984 können es enthalten.

Darf man sie selbst ausbauen?

Nein, das gehört in einen Fachbetrieb.

Was ist die beste Alternative?

Meist eine Wärmepumpe.

Hilft ein Heizstromtarif?

Er senkt die Kosten, gleicht den Nachteil aber nicht aus.

Was bringt die Aufladesteuerung?

Richtig eingestellt spart sie spürbar Strom.

Sind Nachtspeicherheizungen verboten?

Nein, das frühere Verbot wurde 2013 gestrichen.

Wer trägt die Kosten in der Mietwohnung?

Der Mieter direkt über seinen Stromvertrag.

Lohnt Photovoltaik mit Speicherheizung?

Nur eingeschränkt – im Winter liefert die Anlage am wenigsten.

Wie groß ist der Kostenunterschied?

Gegenüber einer Wärmepumpe meist vierstellig je Jahr.

Quellen

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