Hausbau planen: Programm kostenlos nutzen und was es leistet

Kurzantwort: Für den Hausbau gibt es kostenlose Programme in drei Gruppen: Open-Source-Software wie Sweet Home 3D (Grundriss und 3D, GPL-Lizenz) und FreeCAD (CAD mit BIM-Arbeitsbereich und IFC-Export, LGPL), kostenlose Web-Versionen kommerzieller Programme wie SketchUp Free (nur privat, ohne Erweiterungen) sowie Konfiguratoren von Hausanbietern. Alle drei helfen beim Grundriss, bei Möblierung und Raumgefühl. Keines ersetzt den Bauantrag: Bauvorlagen darf nur ein Bauvorlageberechtigter einreichen, in Bayern etwa nach Art. 61 BayBO.

Bevor ein Architekt die erste Linie zeichnet, wollen die meisten Bauherren selbst probieren: Wie groß wird die Küche, passt das Sofa, wo kommt die Treppe hin. Dafür reicht ein kostenloses Programm, und davon gibt es mehrere, die seit Jahren gepflegt werden.

Dieser Artikel ordnet die Werkzeuge nach dem, was sie können, nennt die geprüften Fakten zu Lizenz und Version und zieht die Grenze, ab der die Planung in professionelle Hände gehört. Die Angaben zu den Programmen stammen aus Wikipedia, geprüft am 11. September 2026.

Gruppe 1: Open-Source-Programme

Sweet Home 3D ist seit November 2006 verfügbar, steht unter der GNU General Public License und läuft als Java-Programm auf Windows, macOS, Linux und Solaris; die Version 7.5 erschien am 21. August 2024. Du zeichnest Wände im 2D-Grundriss, das Programm zeigt gleichzeitig die 3D-Ansicht. Ein eingescannter Plan lässt sich als Hintergrund hinterlegen, ein Möbelkatalog liefert Türen, Fenster und Einrichtung. Export als PDF, SVG und OBJ, damit ein Architekt die Datei öffnen kann. Das ist das Werkzeug für Grundriss und Raumgefühl.

FreeCAD ist ein vollwertiges CAD-Programm unter der LGPL-2.0-Lizenz, verfügbar für Windows, macOS und Linux; Version 1.1 erschien am 24. März 2026. Für den Hausbau zählt der Arbeitsbereich für Architektur und BIM: Wände, Fenster, Dächer und Geschosse als Bauteile, Import und Export im IFC-Format, das Architekten und Fachplaner austauschen. Die Lernkurve ist steiler als bei einem reinen Grundrissprogramm, dafür bekommst du maßhaltige Pläne und Schnitte.

Gruppe 2: Kostenlose Versionen kommerzieller Programme

SketchUp Free gehört seit 2012 zu Trimble und ist seit November 2017 die kostenlose Web-Version. Sie läuft im Browser, ist nicht für den kommerziellen Einsatz zugelassen und unterstützt weder Erweiterungen noch das Erstellen und Bearbeiten von Materialien. Für schnelle Baumassen, Dachformen und Sonnenstudien reicht sie; sobald du Erweiterungen oder Import und Export in gängige CAD-Formate brauchst, verweist der Anbieter auf die Bezahlstufen, seit November 2020 nur noch als Abonnement. Andere Hersteller von Raumplanern arbeiten nach demselben Muster: Grundfunktionen kostenlos, Planexport und Detailtiefe gegen Geld. Prüfe vor dem Zeichnen, ob du deine Datei später ohne Bezahlung exportieren kannst.

Gruppe 3: Konfiguratoren der Hausanbieter

Fertighaus- und Massivhausanbieter stellen Konfiguratoren ins Netz, in denen du Haustyp, Dachform, Grundrissvarianten und Ausstattung zusammenklickst. Sie sind kostenlos, weil sie Verkaufswerkzeuge sind: Das Ergebnis passt nur zu diesem Anbieter, und der Preis am Ende ist ein Richtwert ohne Grundstück, Bodenplatte, Keller und Außenanlagen. Als Ideengeber für Grundrisse sind sie brauchbar, als Planungsgrundlage für einen Architekten nicht.

Was ein kostenloses Programm leistet

  • Grundriss testen. Wandstärken, Türbreiten und Möbel in echten Maßen; du merkst sofort, ob der Esstisch samt Stühlen und Durchgang in die Küche passt.
  • Raumgefühl. Die 3D-Ansicht zeigt Deckenhöhe, Fensterlage und Blickachsen, bevor irgendetwas gebaut ist.
  • Sonnenstand. Programme mit Sonnensimulation zeigen, wann die Terrasse Schatten hat.
  • Kommunikation. Ein PDF-Grundriss mit Maßen spart beim ersten Architektengespräch eine Stunde Erklärungen.
  • Varianten. Drei Grundrisse in einer Woche kosten nichts. Beim Architekten kostet jede Variante Honorar.

Was es nicht leistet

Erstens den Bauantrag. Bauvorlagen müssen von einem Bauvorlageberechtigten erstellt sein, in Bayern nach Art. 61 BayBO Architekten oder in die Liste der Ingenieurekammer eingetragene Ingenieure; für freistehende Wohngebäude mit bis zu drei Wohnungen auch Handwerksmeister des Maurer-, Betonbauer- oder Zimmererfachs und staatlich geprüfte Bautechniker. Die anderen Landesbauordnungen regeln das ähnlich. Deine Zeichnung ist damit eine Vorlage für den Planer, kein Bauantrag.

Zweitens die Statik. Kein kostenloses Programm prüft, ob die Wand über dem Wohnzimmer einen Sturz braucht oder ob die Decke den Kamin trägt. Drittens den Energienachweis: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 GEG) verlangt für Neubauten einen Nachweis gegen ein Referenzgebäude, den Energieberater oder Planer mit zugelassener Software rechnen. Viertens die Flächen: Die Wohnfläche nach Wohnflächenverordnung zählt Räume unter zwei Metern Höhe nur zur Hälfte und Balkone meist zu einem Viertel; Planungsprogramme summieren dagegen einfach die Grundfläche. Rechne die Wohnfläche deshalb nie aus dem Programm ab.

So gehst du vor

  1. Grundstück mit Maßen, Himmelsrichtung und Baugrenzen aus dem Bebauungsplan anlegen.
  2. Außenwände mit realistischer Stärke zeichnen: 36,5 bis 49 cm bei monolithischem Mauerwerk, 17,5 cm plus Dämmung bei Kalksandstein mit Wärmedämmverbundsystem.
  3. Treppe und Haustechnikraum zuerst platzieren, dann die Zimmer darum. Beides lässt sich später am schwersten verschieben.
  4. Möbel in echten Maßen setzen, Türen aufschlagen lassen.
  5. Als PDF exportieren und mit dem Planer besprechen. Ab hier übernimmt er.

Häufige Fragen

Welches kostenlose Programm ist für Anfänger geeignet?

Programme mit gekoppeltem 2D-Grundriss und 3D-Ansicht sind am schnellsten zu lernen. Vollwertige CAD-Programme brauchen Einarbeitung, liefern dafür maßhaltige Pläne.

Kann ich mit einem kostenlosen Programm den Bauantrag zeichnen?

Nein. Bauvorlagen darf nur ein Bauvorlageberechtigter einreichen, in Bayern nach Art. 61 BayBO.

Sind die Programme wirklich kostenlos?

Open-Source-Programme ja. Bei Web-Versionen kommerzieller Anbieter sind Grundfunktionen frei, Export und Erweiterungen kosten.

Berechnet das Programm die Wohnfläche richtig?

Meist nicht. Die Wohnflächenverordnung rechnet Dachschrägen und Balkone anders als eine reine Grundflächensumme.

Kann der Architekt meine Datei öffnen?

Als PDF immer. IFC aus FreeCAD lässt sich in Architektensoftware importieren, OBJ aus Sweet Home 3D nur als 3D-Modell.

Was sind Konfiguratoren der Hausanbieter wert?

Als Ideengeber viel, als Planungsgrundlage wenig. Sie zeigen nur das Angebot dieses Anbieters und nennen Preise ohne Grundstück und Nebenkosten.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


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