Kurzantwort: Estrich besteht aus Estrichmörtel, und der hat drei Bestandteile: eine Gesteinskörnung (meist Sand mit Körnern bis 8 mm), ein Bindemittel und Wasser. Als Bindemittel dienen Zement, Calciumsulfat, Magnesia, Bitumen oder Kunstharz; daraus ergeben sich die fünf Estricharten CT, CA, MA, AS und SR. Beim Zementestrich liegt das Mischungsverhältnis Zement zu Sand etwa bei 1:3 bis 1:5. Je nach Rezept kommen Fließmittel, Fasern oder Pigmente dazu.
Wer einen Estrich bestellt, bekommt eine Zeichenkette wie „CT-C25-F4“. Dahinter steckt eine Rezeptur, die DIN EN 13813 und DIN 18560 regeln. Die Norm legt fest, welches Bindemittel drin ist und welche Festigkeit der fertige Boden erreichen muss. Was der Estrichleger auf der Baustelle mischt, folgt diesem Schema.
Dieser Artikel nimmt den Estrich auseinander: Sand, Bindemittel, Wasser, Zusätze. Danach weißt du, warum Zementestrich wochenlang trocknet und Gussasphalt nach etwa vier Stunden belegt werden kann. Und du erkennst, was im Boden deines Altbaus liegt.
Die drei Grundstoffe
Gesteinskörnung. Sie füllt den größten Teil des Volumens. Beim Zementestrich sind Korngrößen bis 8 mm üblich; bei Estrichdicken über 40 mm darf das Größtkorn 16 mm erreichen. Der Sand trägt die Last, das Bindemittel hält ihn zusammen.
Bindemittel. Es reagiert mit Wasser (Zement, Calciumsulfat, Magnesia), wird heiß verarbeitet (Bitumen) oder härtet chemisch aus (Kunstharz). Das Bindemittel bestimmt Trocknungszeit, Wasserfestigkeit und Preis.
Wasser. Bei den mineralischen Estrichen ist Wasser Reaktionspartner und zugleich das Problem: Was der Kristall nicht bindet, muss raus. Deshalb misst der Estrichleger vor dem Belag die Restfeuchte mit der CM-Methode nach DIN 18560-1. Gussasphalt ist wasserfrei, Kunstharzestrich ebenfalls.
Fünf Bindemittel, fünf Estricharten
| Kurzzeichen | Bindemittel | Besonderheit |
|---|---|---|
| CT Zementestrich | Zement | wasserfest nach dem Aushärten, hohe Festigkeit, schwindet und braucht Fugen |
| CA Calciumsulfatestrich | Anhydrit oder Calciumsulfat-Halbhydrat, reagiert mit Wasser zu Gips | geringes Schwinden, bis 1.000 m² ohne Dehnfuge, nicht wasserbeständig |
| MA Magnesiaestrich | kaustische Magnesia mit Magnesiumsalzlösung | leicht, als „Steinholz“ in vielen Altbauten, feuchteempfindlich, greift Metall an |
| AS Gussasphaltestrich | Bitumen | wasserfrei, bei 220 bis 250 °C eingebaut, nach 2 bis 3 Stunden begehbar |
| SR Kunstharzestrich | Epoxid-, Polyurethan- oder PMMA-Harz | teuer, chemikalienfest, nach 3 bis 7 Tagen belastbar, gilt als Sondermüll |
Die Kurzzeichen stammen aus DIN EN 13813. Calciumsulfatestrich heißt im Alltag Anhydritestrich; als Fließestrich trägt er nach DIN 18560-2 das Kürzel CAF. Magnesiaestrich liegt in vielen Häusern der Nachkriegszeit: Nach 1945 war Zement rationiert, Magnesit nicht.
Das Mischungsverhältnis beim Zementestrich
Zement zu Sand liegt etwa bei 1:3 bis 1:5. Ein Teil Zement auf vier Teile Sand ist die Mitte. Mehr Zement bringt Festigkeit und mehr Schwinden. Mehr Sand macht den Estrich günstiger und weicher.
Der Wasseranteil ist der zweite Hebel. Konventioneller Zementestrich wird erdfeucht eingebaut und verdichtet. Fließestriche enthalten Fließmittel, damit sie sich mit wenig Wasser selbst nivellieren. Beides entscheidet über die Zeit bis zur Belegreife. Richtwerte: Zementestrich 2,0 CM-% unbeheizt und 1,8 CM-% beheizt, Calciumsulfatestrich 0,5 CM-% unbeheizt und 0,3 CM-% beheizt.
Frischer Zementestrich braucht beim Einbau und in den ersten drei Tagen mindestens 5 °C, auch nachts. Sonst verliert er stark an Festigkeit. Für Calciumsulfat- und Magnesiaestrich gelten zwei Tage bei mindestens 5 °C plus Schutz vor Zugluft, Schlagregen und Hitze.
Was sonst noch drin ist
- Fließmittel. Sie verflüssigen den Mörtel ohne zusätzliches Wasser. Ohne sie gibt es keinen Fließestrich.
- Beschleuniger. Schnellestriche auf Zementbasis bestehen aus Zement mit Zusätzen. Sie fallen nicht unter DIN EN 13813 und gelten als Sonderkonstruktion mit eigenen Regeln für Erhärtung und Belegreife.
- Fasern. DIN 18560 verlangt grundsätzlich keine Bewehrung. Sinnvoll ist sie bei Zementestrich auf Dämmung unter Fliesen oder Naturstein und bei Heizestrich. Statt Estrichgittern werden alkaliresistente Glasfasern eingemischt.
- Kunstharze. Viele Estrichmörtel enthalten Kunstharzanteile. Sie können organische Dämmstoffe angreifen; dann trennt eine unempfindliche Lage Estrich und Dämmung.
- Pigmente. Bei Kunstharz- und Magnesiaestrich üblich, wenn der Estrich als Sichtestrich ohne Belag bleibt.
Estrich und Beton im Vergleich
Beide bestehen aus Gesteinskörnung, Zement und Wasser. Der Unterschied liegt in Körnung, Dicke und Aufgabe. Estrich bleibt beim Größtkorn bei 8 mm, in dicken Lagen bei 16 mm. Er liegt als Lastverteilungsschicht auf Dämmung oder Trennlage: schwimmend ab 30 mm mit hochfesten Materialien, unter Fliesen mindestens 45 mm (CAF: 40 mm), im Verbund höchstens 50 mm. Beton arbeitet mit gröberer Körnung, ist bewehrt und trägt als Decke oder Bodenplatte das Haus. Ein Estrich trägt keine Wand.
Woran du erkennst, was in deinem Estrich steckt
Beim Neubau steht es im Lieferschein. „CT-C25-F4“ heißt Zementestrich mit Druckfestigkeitsklasse C25 (25 N/mm²) und Biegezugfestigkeitsklasse F4 (4 N/mm²). „CAF-C25-F5“ ist ein Calciumsulfat-Fließestrich. Diese Klassen bestimmen zusammen mit der Nutzlast die nötige Dicke nach DIN 18560-2.
Im Altbau helfen Baujahr und Verhalten: Ein leichter, feuchteempfindlicher Estrich, an dem Metallteile korrodieren, ist oft Magnesiaestrich. Calciumsulfatestrich verträgt keine Dauerfeuchte und zeigt bei Wasserschäden ein höheres Schimmelrisiko als Zement oder Gussasphalt. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe durch einen Estrichleger oder ein Labor. Das lohnt sich vor jeder Sanierung, weil Kunstharzestrich als Sondermüll entsorgt werden muss, Zement- und Calciumsulfatestrich dagegen als normaler Bauschutt, solange der organische Anteil unter 5 % bleibt.
Häufige Fragen
Woraus besteht Zementestrich genau?
Aus Zement, Sand mit Korngrößen bis 8 mm und Wasser im Verhältnis Zement zu Sand von etwa 1:3 bis 1:5. Je nach Produkt kommen Fließmittel oder Glasfasern dazu.
Ist Anhydritestrich dasselbe wie Calciumsulfatestrich?
Ja. Anhydrit ist wasserfreies Calciumsulfat. Mit Wasser reagiert es zu Gips. Die Norm nennt ihn CA, als Fließestrich CAF.
Warum darf Calciumsulfatestrich nicht nass werden?
Weil Gips Wasser aufnimmt und weich wird. Im Bad schützt eine Verbundabdichtung, in gewerblichen Nassräumen und draußen ist er ungeeignet.
Welcher Estrich enthält kein Wasser?
Gussasphaltestrich (Bitumen, heiß eingebaut) und Kunstharzestrich. Beide brauchen keine CM-Messung.
Braucht Estrich eine Bewehrung?
Nach DIN 18560 grundsätzlich nicht. Unter Fliesen und bei Heizestrich sind alkaliresistente Glasfasern üblich.
Was bedeutet CT-C25-F4?
Zementestrich mit 25 N/mm² Druckfestigkeit und 4 N/mm² Biegezugfestigkeit. Der Estrichleger wählt danach die Dicke.
Quellen
- Wikipedia: Estrich – Bindemittel, Konstruktionsarten, Belegreife
- Wikipedia: Anhydritestrich
- Wikipedia: Gussasphalt
Das passt dazu
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- Fußbodenaufbau im beheizten Keller: Abdichtung, Dämmung, Estrich
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Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.

