Inhalt
Kurzantwort: Ein Hausbau ohne Eigenkapital ist möglich, aber teuer und an Bedingungen geknüpft. Banken fordern üblicherweise 20 bis 30 Prozent der Kosten plus die Nebenkosten aus eigener Tasche; wer nichts einbringt, bekommt eine 100- oder 110-Prozent-Finanzierung nur mit hohem, sicherem Einkommen und sehr guter Bonität. Die Verbraucherzentrale nennt drei Folgen: höhere Zinsen, längere Rückzahlung und das Risiko, bei einem frühen Verkauf mit Schulden dazustehen. Die Kreditrate sollte 40 Prozent des Nettoeinkommens nicht übersteigen.
„Ohne Eigenkapital“ heißt in der Praxis zwei verschiedene Dinge. Bei der 100-Prozent-Finanzierung zahlst du nur die Nebenkosten selbst, also Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler. Bei der 110-Prozent-Finanzierung leiht die Bank auch das. Der zweite Fall ist der eigentliche Hausbau ohne Eigenkapital, und den bieten nur wenige Banken an.
Dieser Artikel zeigt, was Banken dafür verlangen, was der Verzicht auf Eigenkapital kostet und was alles als Eigenkapital zählt. Die Faustregeln stammen von der Verbraucherzentrale (Stand November 2024 und November 2025), die Steuersätze aus Wikipedia, geprüft am 11. September 2026.
Was Banken üblicherweise verlangen
Die Verbraucherzentrale schreibt: „Grundsätzlich sollten Sie 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises, zuzüglich der Kaufnebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notar- und Grundbuchkosten, als Eigenkapital mit einbringen.“ Hinter der Regel steckt der Beleihungsauslauf, das Verhältnis von Darlehen zu Beleihungswert. Der Beleihungswert liegt unter dem Marktwert, weil die Bank einen Sicherheitsabschlag einrechnet. Bis 60 Prozent Beleihungsauslauf gilt ein Darlehen nach § 14 Pfandbriefgesetz als erstrangig besichert, bis 80 Prozent als Standardfall, darüber steigt der Zins in Stufen. Eine Finanzierung ohne Eigenkapital liegt über 100 Prozent, weil Nebenkosten keinen Beleihungswert schaffen. Die Bank trägt dann ein Risiko, das sie sich über den Zins bezahlen lässt.
Die drei Folgen ohne Eigenkapital
Die Verbraucherzentrale fasst sie in einem Satz: „Wer kein oder nur wenig Eigenkapital einsetzt, bezahlt höhere Zinsen, braucht tendenziell länger zur Entschuldung“ und trägt das Risiko, dass nach einem vorzeitigen Verkauf Schulden übrig bleiben. Der letzte Punkt wiegt am schwersten. Ein Haus verliert beim Verkauf in den ersten Jahren die Nebenkosten, die niemand zurückzahlt. Wer 110 Prozent finanziert hat, verkauft dann unter dem Kreditstand und muss die Differenz aus dem Einkommen ausgleichen. Scheidung, Jobverlust oder Krankheit treffen diese Haushalte deshalb doppelt.
Rechenbeispiel: 500.000 Euro ohne Eigenkapital
Angenommen, Grundstück und Haus kosten zusammen 500.000 Euro in Nordrhein-Westfalen. Die Nebenkosten: 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer, 1,5 Prozent für Notar und Grundbuch, kein Makler. Fällt die Steuer nur auf ein Grundstück von 150.000 Euro an, sind das 9.750 Euro; erhebt das Finanzamt sie wegen eines einheitlichen Vertragswerks auf den Gesamtpreis, werden es 32.500 Euro. Dazu 7.500 Euro Notar und Grundbuch. Die Finanzierungssumme liegt also bei 517.000 bis 540.000 Euro.
| Annahme | Mit 20 % Eigenkapital | Ohne Eigenkapital (110 %) |
|---|---|---|
| Darlehen | 400.000 € | 540.000 € |
| Zins (Annahme) | 3,5 % | 4,3 % mit Aufschlag |
| Tilgung | 2 % | 2 % |
| Monatsrate | 1.833 € | 2.835 € |
| Nötiges Nettoeinkommen (Rate ≤ 40 %) | ab 4.583 € | ab 7.088 € |
| Laufzeit bis Volltilgung (Zins konstant) | rund 29 Jahre | rund 27 Jahre |
Die Zinssätze sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Marktdaten; der Aufschlag von 0,8 Prozentpunkten steht für das höhere Risiko. Die Rechnung zeigt das Muster: Ohne Eigenkapital steigt die Rate um rund 1.000 Euro im Monat, und das nötige Einkommen liegt jenseits dessen, was die meisten Haushalte verdienen. Die 40-Prozent-Grenze stammt von der Verbraucherzentrale, die dazu rät, zwischen realem Überschuss und Rate noch „etwa zehn Prozent Luft“ zu lassen.
Was alles als Eigenkapital zählt
Bevor du eine Vollfinanzierung beantragst, lohnt eine Inventur. Als Eigenkapital akzeptieren Banken üblicherweise Guthaben auf Konten und Sparbüchern, Wertpapiere, zuteilungsreife Bausparverträge, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert und Schenkungen aus der Familie. Ein bereits bezahltes Grundstück ist die stärkste Form, weil es den Beleihungswert erhöht. Eigenleistung auf der Baustelle rechnen Banken nur begrenzt an; welchen Anteil, entscheidet jede Bank selbst. Darlehen von Verwandten oder vom Arbeitgeber gelten als Fremdkapital, senken aber den Bankkredit und damit den Beleihungsauslauf. Eine Restschuldversicherung ersetzt kein Eigenkapital, sie verteuert die Finanzierung nur.
Wege, wenn das Eigenkapital fehlt
Der erste Weg ist Zeit: Die Nebenkosten von rund 5 bis 15 Prozent lassen sich ansparen, und jeder Monat Sparen senkt den Beleihungsauslauf. Der zweite Weg ist das Grundstück im Erbbaurecht, bei dem du nur das Haus finanzierst und einen Erbbauzins zahlst. Der dritte Weg ist ein kleineres Haus; jede 10.000 Euro weniger Bausumme senken die Rate bei 6 Prozent Annuität um 50 Euro im Monat. Der vierte Weg ist eine zusätzliche Sicherheit, etwa eine Grundschuld auf der Immobilie der Eltern, die die Bank in den Beleihungswert einrechnet. Bausparverträge mit Sofortfinanzierung, die als Ersatz für Eigenkapital beworben werden, sieht die Verbraucherzentrale kritisch, weil Zins und Gebühren die Vorteile oft auffressen.
Worauf du bei einer Vollfinanzierung achten musst
Zinsbindung: Die Verbraucherzentrale rät zu mehr als zehn, besser 15 bis 20 Jahren. Bei einer hohen Restschuld ist ein Zinsanstieg nach der Bindung das größte Risiko. Tilgung: mindestens 2 Prozent, besser 3; bei 1 Prozent Tilgung und 3 Prozent Zins läuft ein Kredit laut Verbraucherzentrale 46 Jahre. Sondertilgungen: Sie sollten kostenlos vereinbart sein, damit spätere Ersparnisse die Restschuld senken. Rücklage: Ohne Eigenkapital fehlt auch der Puffer für Reparaturen; ein Notgroschen von drei Monatsgehältern gehört trotzdem auf ein separates Konto, bevor der Kredit unterschrieben wird.
Häufige Fragen
Kann ich ein Haus komplett ohne Eigenkapital bauen?
Ja, mit einer 110-Prozent-Finanzierung, die nur wenige Banken bei hohem, sicherem Einkommen und sehr guter Bonität anbieten. Sie ist teurer als jede Finanzierung mit Eigenkapital.
Wie viel Eigenkapital empfiehlt die Verbraucherzentrale?
20 bis 30 Prozent des Kaufpreises plus die Nebenkosten; mindestens die von Banken oft geforderten 20 Prozent der Gesamtkosten.
Wie hoch sind die Nebenkosten beim Hausbau?
Grunderwerbsteuer 3,5 bis 6,5 Prozent je nach Bundesland, Notar und Grundbuch 1 bis 1,5 Prozent, Makler 3 bis 6 Prozent plus Mehrwertsteuer.
Zählt Eigenleistung als Eigenkapital?
Nur begrenzt und nur, wenn die Bank sie anerkennt. Ein bezahltes Grundstück zählt voll.
Welche Rate ist ohne Eigenkapital tragbar?
Höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens, mit zehn Prozent Luft darunter.
Was passiert bei einem Verkauf nach wenigen Jahren?
Die Nebenkosten sind verloren, der Erlös deckt den Kredit oft nicht. Die Differenz bleibt als Schuld.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Häufige Fragen rund um Hauskauf und Hauskredit
- Verbraucherzentrale: So berechnen Sie, was Sie sich leisten können
- Wikipedia: Beleihungsauslauf
- Wikipedia: Grunderwerbsteuer (Deutschland), Steuersätze der Länder
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Hausbau: Welche Kosten sind steuerlich absetzbar? Die Regeln
- Hausbau ohne Keller: Kosten, Bodenplatte, Vor- und Nachteile
- Hausbau in Eigenleistung: Was die Muskelhypothek wirklich spart
Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.







