Berechnung der Bruttogrundfläche: Formel, Regeln und Beispiel

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Die Bruttogrundfläche (BGF) ist die Summe der Grundflächen aller Geschosse eines Gebäudes, gemessen an den Außenmaßen. Für die Berechnung multipliziert man Länge und Breite jedes Geschosses außen und addiert alle Ebenen, vom Keller bis zum Dachgeschoss. Maßgeblich ist die DIN 277, aktuell in der Fassung vom August 2021. Die Formel lautet: BGF = Netto-Raumfläche + Konstruktions-Grundfläche.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemessen wird an den Außenmaßen inklusive Putz und Verkleidung.
  • Alle Grundrissebenen zählen, auch Keller und nicht ausgebauter Dachraum.
  • Die DIN 277 trennt Regelfall (R) und Sonderfall (S).
  • BGF = NRF + KGF.

Was die Bruttogrundfläche ist

Die BGF beschreibt die gesamte bebaute Fläche eines Gebäudes über alle Ebenen. Sie enthält die nutzbaren Räume und die Fläche der Wände. Architekten nutzen sie für Kostenschätzungen nach DIN 276, für Honorare und für Vergleiche zwischen Entwürfen. Auch Baukostenkennwerte werden oft in Euro pro Quadratmeter BGF angegeben.

Die Bayerische Architektenkammer fasst die Definition der DIN 277 zusammen: Die BGF ist die Summe der Flächen aller Grundrissebenen des Bauwerks. Dazu zählen auch Flächen, die nutzbar sind, aber nicht genutzt werden. Ein Beispiel ist ein nicht ausgebauter Dachraum. Ob ein Geschoss als Vollgeschoss gilt, spielt keine Rolle.

Kurzantwort: Die Bruttogrundfläche ist die Summe aller Geschossflächen eines Gebäudes, gemessen an den Außenmaßen inklusive Putz und Verkleidung.

Die Formel zur Berechnung der Bruttogrundfläche

Die DIN 277 baut die Flächen wie eine Pyramide auf. Die BGF steht oben und teilt sich in zwei Teile.

Kürzel Bedeutung Inhalt
BGF Brutto-Grundfläche NRF + KGF
KGF Konstruktions-Grundfläche Wände, Stützen, Schornsteine
NRF Netto-Raumfläche NUF + TF + VF
NUF Nutzungsfläche Wohnen, Arbeiten, Lagern
TF Technikfläche Heizraum, Hausanschlussraum
VF Verkehrsfläche Flure, Treppen, Aufzüge

In der Praxis rechnet kaum jemand die BGF über die Einzelteile aus. Der schnellere Weg führt über die Außenmaße. Die Zerlegung in NRF und KGF braucht man vor allem für Kostenplanung und Förderanträge.

Schritt für Schritt: So wird gemessen

  1. Geschosse erfassen: Alle Ebenen auflisten, also Keller, Erdgeschoss, Obergeschosse und Dachgeschoss.
  2. Außenmaße nehmen: Länge und Breite an der Außenseite der Wände messen, einschließlich Putz, Dämmung oder Vorsatzschale.
  3. Messhöhe beachten: Gemessen wird in Höhe der Oberkante des Boden- oder Deckenbelags.
  4. Flächen berechnen: Pro Geschoss Länge mal Breite. Vor- und Rücksprünge als eigene Rechtecke ergänzen.
  5. Nach R und S trennen: Allseitig umschlossene Flächen dem Regelfall zuordnen, offene Flächen wie Balkone dem Sonderfall.
  6. Addieren: Alle Geschossflächen summieren, getrennt nach BGF R und BGF S.

Regelfall und Sonderfall

Die DIN 277 kennt seit der Fassung 2016 nur noch zwei Kategorien. Die früheren Bereiche a, b und c sind entfallen. Der Regelfall (R) entspricht dem alten Bereich a. Er umfasst Räume, die allseitig umschlossen und überdeckt sind. Der Sonderfall (S) fasst die alten Bereiche b und c zusammen. Dazu gehören Balkone, Loggien, überdachte Freisitze und Dachterrassen, die mit dem Bauwerk fest verbunden sind.

Nicht zur BGF zählen Flächen außerhalb des Bauwerks, die nicht konstruktiv mit ihm verbunden sind. Beispiele sind freie Außentreppen, Terrassen auf dem Gelände und nicht überdeckte Höfe. Auch nicht begehbare Hohlräume in der Dachkonstruktion und größere Deckenöffnungen gehören nicht dazu.

Kurzantwort: Geschlossene Räume zählen zur BGF R. Balkone, Loggien und fest verbundene Dachterrassen zählen zur BGF S und werden getrennt ausgewiesen.

Rechenbeispiel: Einfamilienhaus mit Keller

Ein Einfamilienhaus hat außen 12,00 m mal 10,00 m. Es besteht aus Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss. Das Dach ist nicht ausgebaut, aber als Abstellraum begehbar. Der Dachraum misst an der Oberkante des Fußbodens 12,00 m mal 10,00 m. Dazu kommt ein Balkon mit 4,00 m mal 1,50 m.

Ebene Rechnung Fläche Kategorie
Keller 12,00 x 10,00 120,00 m² R
Erdgeschoss 12,00 x 10,00 120,00 m² R
Obergeschoss 12,00 x 10,00 120,00 m² R
Dachraum, nutzbar 12,00 x 10,00 120,00 m² R
Balkon 4,00 x 1,50 6,00 m² S
Summe 486,00 m² 480 R + 6 S

Die Wohnfläche desselben Hauses ist deutlich kleiner. Sie wird nach der Wohnflächenverordnung mit lichten Innenmaßen berechnet. Keller und Dachboden fallen meist ganz heraus. Den genauen Unterschied erklärt der Beitrag Wohnfläche und Nutzfläche im Vergleich.

BGF, Geschossfläche und Wohnfläche

Die drei Begriffe werden oft verwechselt. Die Geschossfläche nach § 20 Baunutzungsverordnung zählt nur Vollgeschosse und dient dem Baurecht, etwa bei der Geschossflächenzahl. Die BGF zählt alle Ebenen und dient der Kostenplanung. Die Wohnfläche erfasst nur die Wohnräume nach Innenmaß. Für die Grundsteuer oder Mietverträge ist in der Regel die Wohnfläche gefragt. Mehr dazu im Beitrag Wohnfläche nach WoFlV.

Fazit

Die Bruttogrundfläche wird an den Außenmaßen aller Geschosse berechnet und addiert. Grundlage ist die DIN 277 in der Fassung von 2021. Geschlossene Räume zählen zum Regelfall, Balkone und Loggien zum Sonderfall. Wer sauber misst und beide Werte getrennt ausweist, hat eine belastbare Basis für Kostenschätzung und Planung.

FAQ – Häufige Fragen

Was bedeutet BGF?

BGF steht für Brutto-Grundfläche. Sie ist die Summe aller Grundrissebenen eines Gebäudes.

Wird die BGF mit Außen- oder Innenmaßen berechnet?

Mit Außenmaßen, einschließlich Putz, Dämmung und Verkleidung.

Zählt der Keller zur Bruttogrundfläche?

Ja. Alle Geschosse zählen, auch der Keller.

Zählt ein nicht ausgebauter Dachboden?

Ja, wenn er nutzbar ist. Nicht begehbare Hohlräume im Dach zählen nicht.

Gehört der Balkon zur BGF?

Ja, als Sonderfall (BGF S). Er wird getrennt vom Regelfall ausgewiesen.

Zählt eine Terrasse zur BGF?

Eine Terrasse auf dem Gelände ohne feste Verbindung zum Bauwerk zählt nicht.

Welche DIN regelt die Bruttogrundfläche?

Die DIN 277, aktuell in der Fassung 2021-08.

Wie berechnet man den Brutto-Rauminhalt?

Man multipliziert die BGF jeder Ebene mit der zugehörigen Geschosshöhe und addiert die Ergebnisse.

Ist die BGF dasselbe wie die Geschossfläche?

Nein. Die Geschossfläche nach Baunutzungsverordnung zählt nur Vollgeschosse.

Wofür braucht man die Bruttogrundfläche?

Für Baukostenschätzungen, Architektenhonorare, Förderanträge und den Vergleich von Entwürfen.

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Quellen

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