Cavity wall isulation

Dämmung zweischaliges Mauerwerk: Kerndämmung, Regeln, Förderung

Kurzantwort: Zweischaliges Mauerwerk dämmst du am günstigsten über die Hohlschicht zwischen den beiden Wandschalen. Ein Fachbetrieb bohrt Löcher in die Vormauerschale und bläst Mineralwolle-Flocken, EPS-Granulat oder Perlite ein. Der Zwischenraum sollte mindestens etwa 4 cm breit sein, meist sind es 6 bis 10 cm. Das Gebäudemodernisierungsgesetz erlaubt bei eingeblasener Dämmung einen Bemessungswert von 0,045 W/(m·K), das BAFA zahlt 15 Prozent Zuschuss, mit Sanierungsfahrplan 20 Prozent.

Zweischaliges Mauerwerk war laut Wikipedia zwischen 1870 und 1970 vor allem in Norddeutschland üblich. Der Standardaufbau: eine 115 mm dicke Ziegel-Vorsatzschale außen, dahinter 60 bis 80 mm Luft, innen die tragende Schale mit 115 bis 365 mm. Beide Schalen sind mit Draht- oder Dübelankern verbunden. Die Luftschicht sollte damals Schlagregen abhalten, gedämmt hat sie kaum.

Etwa 30 Prozent der Altbauwohnungen und -häuser haben nach Angaben von Wikipedia Hohlräume in den Außenwänden, nur ein kleiner Teil davon ist nachträglich gedämmt. Der Hohlraum ist die Chance: Er lässt sich füllen, ohne dass du ein Gerüst stellst, die Fassade veränderst oder innen Platz verlierst.

Woran du zweischaliges Mauerwerk erkennst

Drei Hinweise sprechen dafür. Erstens Klinker- oder Verblendfassade und Baujahr zwischen 1870 und 1970. Zweitens eine Wanddicke an der Fensterlaibung von rund 30 cm und mehr, obwohl außen schmaler Ziegel sichtbar ist: 11,5 cm Vorsatzschale plus 6 bis 8 cm Luft plus 11,5 cm Innenschale ergeben schon 29 bis 31 cm. Drittens kleine offene Stoßfugen in der untersten Ziegelreihe: Das sind die Entwässerungsöffnungen der Vormauerschale, nach DIN 1053 mit 5.000 mm² je 20 m² Wandfläche.

Sicherheit gibt nur die Prüfung durch den Fachbetrieb. Er bohrt ein kleines Loch in eine Fuge und schaut mit einer Kamera in die Hohlschicht. Dabei sieht er die Breite des Zwischenraums, Mörtelbrücken, alte Dämmreste und den Zustand der Anker.

Die drei Varianten nach DIN 1053

Die Norm unterscheidet laut Wikipedia zweischalige Wände mit vollständiger Kerndämmung im Schalenraum, Wände mit Dämmung plus mindestens 4 cm Luftschicht und Wände mit reiner Luftschicht. Die dritte Variante gibt es heute nur noch im Bestand. Der Schalenabstand ist auf 15 cm begrenzt, mit bauaufsichtlich zugelassenen Ankern sind bis 20 cm möglich.

Für die nachträgliche Dämmung heißt das: Die Dämmdicke ist durch die vorhandene Hohlschicht festgelegt. Mehr als 6 bis 10 cm bekommst du in den meisten Häusern nicht hinein. Wer Passivhauswerte will, braucht zusätzlich eine Außendämmung.

Einblasdämmung Schritt für Schritt

Der Fachbetrieb bohrt Löcher im Raster in die Fugen der Vormauerschale, bläst den Dämmstoff mit einer Maschine ein und verschließt die Löcher mit farblich passendem Mörtel. Bei einem Ein- bis Zweifamilienhaus dauert das laut Wikipedia oft ein bis zwei Tage. co2online berichtet aus der Praxis von rund fünf Stunden für die gesamte Dämmung.

Rieselfähig oder faserig

Rieselfähige Dämmstoffe wie EPS-Granulat, Blähperlit, Silikatleichtschaum oder Aerogel brauchen wenige, kleine Bohrlöcher und verteilen sich gut. Sie eignen sich für schmale Hohlschichten von 1 bis 5 cm. Bei undichten Stellen können sie durchrieseln, deshalb sucht der Betrieb solche Stellen vorher mit einer Nebelmaschine. Faserige Dämmstoffe wie Stein- oder Glaswolle sind günstiger, verhaken sich untereinander und mit dem Mauerwerk und rieseln nicht.

Alle Dämmstoffe müssen dauerhaft wasserabweisend sein und dem Anwendungstyp WZ nach DIN 4108-10 entsprechen. Die Verbraucherzentrale warnt bei Schäumen vor möglichen Formaldehyd-Belastungen.

Was das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt

Das frühere GEG heißt seit dem 23. Juli 2026 Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Nach § 36 müssen Außenbauteile, die erneuert, ersetzt oder erstmalig eingebaut werden, die Werte der Anlage 7 einhalten. Für Außenwände von Wohngebäuden sind das 0,24 W/(m²·K), sowohl beim Ersatz als auch beim Anbringen von Bekleidungen oder beim Erneuern des Außenputzes. Ausgenommen sind Änderungen, die höchstens 10 Prozent der Bauteilfläche betreffen.

Mit 6 bis 10 cm Hohlschicht erreichst du 0,24 nicht. Dafür gibt es Fußnote 1 der Anlage 7: Ist die Dämmschichtdicke aus technischen Gründen begrenzt, gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die höchstmögliche Dicke eingebaut wird und der Dämmstoff einen Bemessungswert von 0,035 W/(m·K) einhält. Für eingeblasene Dämmstoffe und für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen reichen 0,045 W/(m·K). Zur Einordnung: Wikipedia nennt für 10 cm Kerndämmung mit 0,035 W/(m·K) einen U-Wert von 0,28 W/(m²·K).

Bei Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen verlangt § 36 vor der Beauftragung ein informatorisches Beratungsgespräch mit einer Person, die Energieausweise ausstellen darf, sofern es unentgeltlich angeboten wird. Der Handwerksbetrieb muss dich im Angebot schriftlich darauf hinweisen.

Förderung und Kosten

Das BAFA fördert Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle mit 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Liegt ein individueller Sanierungsfahrplan vor, kommen 5 Prozent dazu. Die Förderübersicht vom 28. Juli 2026 nennt diese Sätze. Förderfähig sind bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit für die erste Wohnung, die Mindestinvestition liegt bei 300 Euro brutto. Das Infoblatt zu den förderfähigen Kosten (Version 10.1, Juli 2026) führt „Bohrungen für Kerndämmungen“ und „Einbringen von Kerndämmung und Einblasdämmung“ ausdrücklich auf.

Voraussetzung ist ein Energieeffizienz-Experte, den du über die Liste der dena findest. Kläre mit ihm die Reihenfolge von Antrag und Auftrag, bevor du etwas unterschreibst. Die technischen Mindestanforderungen der Förderung sind strenger als das Gesetz: co2online nennt für die Förderung einen Dämmstoff mit höchstens 0,035 W/(m·K), Stand Januar 2024. Den aktuellen Wert prüft dein Experte.

Eine belastbare Zahl in Euro je Quadratmeter gibt keine der geprüften neutralen Quellen an. co2online schreibt, Einblasverfahren seien bis zu zehnmal günstiger als Platten- oder Mattendämmung. Die Verbraucherzentrale nennt die Kerndämmung sehr preisgünstig mit begrenztem energetischen Effekt. Hol dir zwei bis drei Angebote mit Angabe von Dämmstoff, Wärmeleitfähigkeit, Bohrlochraster und Fläche.

Risiken, die du vorher klären solltest

Dringt später Wasser in die Dämmschicht ein, etwa durch ein geplatztes Rohr in der Wand, trocknet der Hohlraum schlecht. Mineralwolle ist hier laut Wikipedia wegen der Kapillarwirkung im Nachteil, EPS-Granulat im Vorteil. Bei späteren Wanddurchbrüchen läuft loses Granulat aus und muss ersetzt werden. Wärmebrücken an Fensterlaibungen, Ankern und gemauerten Verbindungen bleiben bestehen. Die Außenschale kühlt im Winter bis in den Frostbereich aus; eingelagertes Wasser kann Risse verursachen. Wer diese Punkte beseitigen will, kombiniert die Kerndämmung mit einer Außendämmung.

Häufige Fragen

Wie breit muss die Hohlschicht mindestens sein?

Die Verbraucherzentrale nennt etwa 4 cm. Rieselfähige Dämmstoffe lassen sich laut Wikipedia schon ab 1 cm einbringen, der Nutzen bleibt dann klein.

Reicht Kerndämmung, um das Gesetz zu erfüllen?

Ja, wenn die gesamte Hohlschicht gefüllt wird und der eingeblasene Dämmstoff höchstens 0,045 W/(m·K) hat. Das regelt Fußnote 1 der Anlage 7 GModG.

Wie viel Förderung gibt es?

15 Prozent vom BAFA, 20 Prozent mit individuellem Sanierungsfahrplan. Der Antrag läuft über einen Energieeffizienz-Experten.

Welcher Dämmstoff ist der richtige?

Für schmale Hohlschichten rieselfähiges Granulat, für breite Hohlschichten Stein- oder Glaswolle. Alle müssen hydrophob und für den Anwendungstyp WZ zugelassen sein.

Bleibt die Fassade unverändert?

Ja. Die Bohrlöcher werden mit passendem Mörtel verschlossen, Optik und Wohnfläche bleiben.

Kann ich Kerndämmung selbst machen?

Nein. Die Einblasmaschine, die Prüfung der Hohlschicht und der Fördernachweis brauchen einen Fachbetrieb.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


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