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Estrich: Was ist das? Aufgabe, Arten und Dicken einfach erklärt

Kurzantwort: Estrich ist die Mörtelschicht, die auf der Rohdecke oder auf einer Dämmschicht liegt und den Untergrund für den Bodenbelag bildet. Nach DIN EN 13318 hat er drei Aufgaben: eine vorgegebene Höhe erreichen, einen Belag aufnehmen oder direkt genutzt werden. Die gängigen Arten sind Zementestrich (CT), Calciumsulfatestrich (CA), Magnesiaestrich (MA), Gussasphaltestrich (AS) und Kunstharzestrich (SR). Im Wohnhaus liegt er meist als schwimmender Estrich mit 45 mm Dicke auf Dämmung.

Wer zum ersten Mal baut, hört das Wort Estrich vom Architekten, vom Heizungsbauer und vom Bodenleger, und jeder meint etwas anderes damit. Der Begriff bezeichnet sowohl den frischen Mörtel als auch das fertige Bauteil. Das steht so in der Norm.

Dieser Artikel erklärt, was der Estrich im Fußboden leistet, welche Arten es gibt, wie sie eingebaut werden und welche Zahlen du kennen musst. Die Werte stammen aus DIN 18560, DIN EN 13813 und den technischen Unterlagen eines Zementherstellers.

Definition: Was der Estrich im Boden macht

DIN EN 13318 definiert Estrich als Schicht oder Schichten aus Estrichmörtel, die auf der Baustelle direkt auf dem Untergrund, mit oder ohne Verbund, oder auf einer zwischenliegenden Trenn- oder Dämmschicht verlegt werden. Der Zweck: eine vorgegebene Höhenlage erreichen, einen Bodenbelag aufnehmen oder unmittelbar genutzt werden.

Im Wohnungsbau übernimmt er zusätzlich zwei Jobs. Er verteilt Lasten auf die weiche Dämmung darunter, deshalb heißt er dort auch Lastverteilschicht. Und er umschließt bei einer Fußbodenheizung die Heizrohre und gibt deren Wärme an den Raum ab.

Die fünf Estricharten

Art Kürzel Bindemittel Typische Merkmale
Zementestrich CT Zement Feuchtebeständig, für innen und außen; Felder bis 36 m² ohne Fuge; belegreif bei 2,0 CM-Prozent
Calciumsulfatestrich CA (als Fließestrich CAF) Anhydrit oder Gips Sehr eben, große Flächen ohne Fugen; feuchteempfindlich; belegreif bei 0,5 CM-Prozent
Magnesiaestrich MA Magnesiumoxid Leicht färbbar, feuchteempfindlich, heute selten
Gussasphaltestrich AS Bitumen Wasserfrei, nach 2 bis 3 Stunden begehbar
Kunstharzestrich SR Reaktionsharz Dünn, 8 bis 15 mm, teuer, für Industrie

Im Einfamilienhaus konkurrieren Zementestrich und Calciumsulfat-Fließestrich. Zement verträgt Feuchtraum und Terrasse, Fließestrich ist schneller eingebaut und ebener. In Bad und Keller ist Zementestrich die sichere Wahl.

Vier Bauweisen: Verbund, Trennschicht, schwimmend, beheizt

Verbundestrich klebt fest auf der Rohdecke. Er ist dünn, laut DIN 18560-3 höchstens 50 mm, und trägt hohe Lasten. Typisch in Garagen und Kellern.

Estrich auf Trennschicht liegt auf einer Folie, ohne Verbund zur Decke. Mindestdicke nach DIN 18560-4: Zementestrich 35 mm, Calciumsulfatestrich 30 mm.

Schwimmender Estrich liegt auf einer Dämmschicht und berührt weder Decke noch Wand. Ein Randdämmstreifen trennt ihn von den Wänden. Das ist der Standard in Wohnräumen, weil er Trittschall dämmt und die Wärmedämmung unter dem Boden aufnimmt. DIN 18560-2 verlangt bei Nutzlast bis 2 kN/m² für Zementestrich der Klasse F4 mindestens 45 mm, für Calciumsulfat-Fließestrich 35 mm.

Heizestrich ist ein schwimmender Estrich mit Heizrohren. Die Rohre müssen bei Klasse F4 mindestens 45 mm überdeckt sein; die Nenndicke ergibt sich aus Mindestdicke plus Rohrdurchmesser, im Wohnhaus also meist 60 bis 70 mm.

Zum schwimmenden Estrich gehören zwei Details, die oft vergessen werden. Der Randdämmstreifen sollte laut VDPM mindestens 10 mm dick sein und 5 mm Bewegung zulassen; sein Überstand wird erst nach dem Belag abgeschnitten. Und Zementestrich braucht ab 36 m² Feldgröße eine Fuge, Calciumsulfat-Fließestrich kommt laut Wikipedia bis 1.000 m² ohne Dehnfuge aus. Für Heizestriche legt DIN 18560-2 außerdem die höchste Heizmitteltemperatur fest: 55 °C bei Zement- und Calciumsulfatestrich, 45 °C bei Gussasphalt.

Trockenestrich: Estrich ohne Wasser

Trockenestrich besteht aus Platten, etwa Gipsfaser-, Holzspan- oder zementgebundenen Platten, die auf einer Schüttung oder Dämmung verlegt und verklebt werden. Er bringt kein Wasser ins Haus und ist sofort belegbar. Das macht ihn zur Lösung für Altbauten mit Holzbalkendecken und für Räume mit wenig Aufbauhöhe. In der Kostengliederung nach DIN 276 läuft er wie der Nassestrich unter den Deckenbelägen.

Zahlen, die du kennen solltest

  • Begehbar: Zementestrich nach etwa 3 Tagen, Calciumsulfat-Fließestrich nach 2 Tagen, Gussasphalt nach 2 bis 3 Stunden.
  • Belastbar: Zementestrich nach 7 Tagen mit höchstens 70 Prozent der späteren Verkehrslast, voll nach 28 Tagen.
  • Belegreif: nur nach CM-Messung, 2,0 CM-Prozent bei Zement, 0,5 bei Calciumsulfat.
  • Zugluft: Zementestrich mindestens 7 Tage schützen, danach stoßlüften.
  • Heizestrich: Funktionsheizen frühestens nach 21 Tagen (Zement) oder 7 Tagen (Calciumsulfat).
  • Zusammendrückbarkeit der Dämmung: höchstens 5 mm unter Wohnlast, sonst muss der Estrich 5 mm dicker werden.

Wie der Estrich bezeichnet wird

Auf Angeboten steht so etwas wie „Estrich DIN 18560 – CT – F4 – S 70 H 45″. Übersetzt: Zementestrich, Biegezugfestigkeitsklasse F4, schwimmend, 70 mm Nenndicke, als Heizestrich mit 45 mm Rohrüberdeckung. Mit dieser Zeile prüfst du, ob das Angebot zur geplanten Fußbodenheizung und zur Nutzlast passt. Fehlt die Klasse oder die Dicke, frag nach.

Häufige Fragen

Ist Estrich dasselbe wie Beton?

Nein. Zementestrich ist ein Mörtel mit feinem Korn und geringerer Dicke. Beton trägt das Haus, Estrich trägt den Belag.

Wie dick ist Estrich im Wohnhaus?

Schwimmend mindestens 45 mm bei Zementestrich, mit Fußbodenheizung meist 60 bis 70 mm.

Wie lange muss Estrich trocknen?

Begehbar nach 2 bis 3 Tagen. Belegreif erst nach CM-Messung, bei 45 mm Zementestrich oft nach rund 4 Wochen.

Welcher Estrich fürs Bad?

Zementestrich, weil er Feuchte verträgt. Calciumsulfatestrich braucht dort eine Abdichtung.

Was ist Fließestrich?

Ein selbstnivellierender Estrich, meist auf Calciumsulfatbasis (CAF). Er wird gepumpt und ergibt sehr ebene Flächen.

Was bedeutet CM-Prozent?

Die Restfeuchte, gemessen mit dem Calciumcarbid-Verfahren. Sie entscheidet allein über die Belegreife.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion hausbauoase.de — er schreibt hier über Bauen, Dämmen und die Zahlen dahinter.


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