Strom für Heizung – Verbrauch, Kosten und passende Tarife

Kurz gesagt: Wie viel Strom eine Heizung braucht, hängt vom Prinzip ab. Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme, eine Direktheizung genau eine. Für Wärmepumpen und Nachtspeicher gibt es eigene Heizstromtarife, die deutlich günstiger sind als Haushaltsstrom — sie brauchen aber einen separaten Zähler.

Die zwei Prinzipien

Direktheizungen wandeln Strom vollständig in Wärme um: Heizlüfter, Konvektoren, Infrarotpaneele, Nachtspeicheröfen und Heizstäbe arbeiten alle nach diesem Prinzip.

Wärmepumpen dagegen erzeugen keine Wärme, sondern transportieren sie. Sie entziehen der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Energie und heben sie auf ein nutzbares Temperaturniveau.

Der Unterschied im Verbrauch ist deshalb kein Detail, sondern ein Faktor drei bis vier. Bei den Strompreisen in Deutschland entscheidet genau das über die Wirtschaftlichkeit.

Was eine Wärmepumpe verbraucht

Als Anhaltspunkt braucht ein saniertes Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern rund 4.000 bis 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr für Heizung und Warmwasser.

Der entscheidende Wert heißt Jahresarbeitszahl. Sie gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom entstehen — gute Anlagen erreichen 3,5 bis 4,5.

Sie hängt vor allem an der Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger verbessert die Arbeitszahl, weshalb Flächenheizungen deutlich besser abschneiden als kleine, heiß gefahrene Heizkörper.

Was eine Direktheizung verbraucht

Ein Heizlüfter mit 2.000 Watt verbraucht in einer Stunde exakt zwei Kilowattstunden. Läuft er täglich fünf Stunden über einen Winter, summiert sich das auf mehrere hundert Kilowattstunden allein für einen Raum.

Nachtspeicherheizungen wurden gebaut, als Nachtstrom fast nichts kostete. Heute sind sie in den meisten Häusern die teuerste Art zu heizen.

Infrarotpaneele gelten als sparsam, weil sie Flächen statt Luft erwärmen. Am Grundverhältnis ändert das nichts: Eine Kilowattstunde Strom bleibt eine Kilowattstunde Wärme.

Der Heizstromtarif

Für Wärmepumpen und Speicherheizungen gibt es eigene Tarife. Sie sind günstiger als Haushaltsstrom, weil die Netzentgelte niedriger ausfallen und der Netzbetreiber im Gegenzug steuern darf.

Voraussetzung ist ein separater Zähler oder ein Zweitarifzähler, der Haushalts- und Heizstrom getrennt erfasst. Der Einbau erfolgt durch den Messstellenbetreiber.

Ob sich der Wechsel lohnt, hängt vom Verbrauch ab. Unterhalb von etwa 3.000 Kilowattstunden Heizstrom im Jahr fressen Grundpreis und Zählerkosten den Vorteil häufig auf.

Die Sperrzeiten

Im Gegenzug für den günstigen Tarif darf der Netzbetreiber die Anlage zeitweise abschalten — üblich sind mehrere Blöcke am Tag von jeweils bis zu zwei Stunden.

Für eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher ist das unkritisch, weil der Speicher die Zeit überbrückt. Ohne Puffer wird es in einem schlecht gedämmten Haus spürbar.

Neuere Regelungen erlauben statt vollständiger Abschaltung eine Reduzierung der Leistung. Welche Variante gilt, steht im Vertrag mit dem Netzbetreiber.

Photovoltaik dazu

Eine Wärmepumpe passt gut zu einer eigenen Photovoltaikanlage, allerdings mit einer Einschränkung: Der Wärmebedarf ist im Winter am höchsten, der Solarertrag am niedrigsten.

Realistisch deckt die Anlage einen Teil des Jahresverbrauchs, vor allem in der Übergangszeit und für Warmwasser im Sommer. Von Autarkie im Januar ist niemand entfernt genug gewarnt.

Ein Batteriespeicher verschiebt Strom über die Nacht, nicht über die Jahreszeit. Für den Winterbedarf bleibt der Netzbezug die Hauptquelle.

Der Hilfsstrom anderer Heizungen

Auch Gas- und Ölheizungen brauchen Strom — für Umwälzpumpe, Regelung, Gebläse und Zündung. Der Anteil wird regelmäßig unterschätzt.

Alte, ungeregelte Umwälzpumpen laufen durchgehend mit hoher Leistung und kommen auf mehrere hundert Kilowattstunden im Jahr. Eine geregelte Hocheffizienzpumpe senkt das deutlich.

Der Tausch ist eine der wenigen Maßnahmen, die sich in wenigen Jahren rechnen und ohne größeren Eingriff möglich sind.

Den Verbrauch senken

  • Vorlauftemperatur so weit senken, wie es die Heizkörper zulassen
  • Hydraulischen Abgleich durchführen lassen
  • Alte Umwälzpumpe gegen eine geregelte tauschen
  • Warmwassertemperatur prüfen und Zirkulation zeitlich begrenzen
  • Heizkurve an das Gebäude anpassen statt am Werkswert lassen
  • Nachtabsenkung nur dort, wo sie zur Bauart passt

Notstrom und Ausfall

Jede moderne Heizung braucht Strom, auch die Gasbrennwerttherme. Fällt das Netz aus, steht die Anlage — unabhängig davon, ob Brennstoff vorhanden ist.

Für längere Ausfälle gibt es Notstromlösungen, die allerdings sauber ausgelegt sein müssen: Steuerungen reagieren empfindlich auf unsaubere Spannung aus einfachen Generatoren.

Wer darauf angewiesen ist, sollte das mit dem Heizungsbauer klären, bevor der Fall eintritt, statt im Winter zu improvisieren.

Der Anschlusswert

Eine Wärmepumpe zieht beim Anlaufen kurzzeitig deutlich mehr Strom als im Dauerbetrieb. Der Netzbetreiber verlangt deshalb eine Anmeldung, bevor die Anlage in Betrieb geht.

Bei größeren Geräten kann eine Anpassung des Hausanschlusses nötig werden, vor allem in Altbauten mit knapp bemessener Absicherung. Dieser Punkt gehört vor die Bestellung, nicht danach.

Ein Sanftanlauf oder ein Inverter senkt den Anlaufstrom deutlich. Fast alle aktuellen Geräte haben das eingebaut, ältere Anlagen nicht.

Den eigenen Verbrauch messen

Wer wissen will, was die Heizung tatsächlich kostet, braucht einen eigenen Zähler für die Anlage. Nur so lässt sich der Heizanteil vom übrigen Haushaltsstrom trennen.

Bei Wärmepumpen ist ein Wärmemengenzähler die zweite wichtige Größe. Erst aus Strom und abgegebener Wärme ergibt sich die tatsächliche Jahresarbeitszahl der Anlage.

Viele Anlagen liefern beide Werte inzwischen selbst über die Regelung. Wo das fehlt, kostet die Nachrüstung wenig und macht jede spätere Optimierung überhaupt erst beurteilbar.

Häufige Fragen

Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe?

Im Einfamilienhaus grob 4.000 bis 6.000 Kilowattstunden im Jahr.

Was ist die Jahresarbeitszahl?

Wärme je eingesetzter Kilowattstunde Strom im Jahresmittel.

Wann lohnt ein Heizstromtarif?

Meist ab etwa 3.000 Kilowattstunden Heizstrom.

Was sind Sperrzeiten?

Abschaltfenster des Netzbetreibers als Gegenleistung für den Tarif.

Ist Infrarot sparsamer?

Nein, eine Kilowattstunde Strom bleibt eine Kilowattstunde Wärme.

Brauchen Gasheizungen Strom?

Ja, für Pumpe, Regelung und Zündung.

Deckt Photovoltaik den Heizbedarf?

Nur teilweise – im Winter ist der Ertrag am kleinsten.

Was senkt den Verbrauch am schnellsten?

Eine niedrigere Vorlauftemperatur.

Muss die Wärmepumpe angemeldet werden?

Ja, beim Netzbetreiber vor Inbetriebnahme.

Wie misst man den Heizstrom?

Über einen eigenen Zähler an der Anlage.

Quellen

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